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Anmerkung: Dieser BLOG war eine gute Gelegenheit, das Thema mit anderen Interessierten zu diskutieren. Die Erfahrungen mit der Diskussion in einem BLOG sind gut, es kommen interessante Argumente anderer Teilnehmer auf. Erstaunlich ist allerdings,, dass an einer JEDERMANN zugänglichen Diskussion nur 14 Personen teilnahmen.
Guido Gürtlers Beiträge zum BLOG sind rot gekennzeichnet.
Fazit:
- Jede Art von Terrorismus hat verschiedene Facetten, z.B. psychologische, körperliche, wirtschaftliche u.v.a.m.; es geht immer auch um “...das erlittene Unrecht...”
- Den wirtschaftlichen Aspekten mehr Aufmerksamkeit zu schenken wird sich mittel und langfristig lohnen
- Wirtschaftliche Aufbauprogramme sollten länderübergreifend abgestimmt werden.
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Dem Terror ins Gesicht sehen
29. April 2008, 23:55 Uhr - von Holger Schmidt
Als ich heute morgen routinemäßig und halb abgelenkt durch meinen Kollegen Wilm (der mir eine spannende Geschichte über seine Recherchen aus dem Bereich Wirtschaftskriminalität erzählte) auf einer dschihadistischen Webseite nach “Neuigkeiten” meiner Kundschaft schaute, war ich über die drei frischen Videos nicht sonderlich erstaunt. Martialische Gesänge, Bilder aus Ausbildungscamps - alles nicht weiter ungewöhnlich. Doch plötzlich staunte ich dann doch. Und zwar richtig: Einer der Männer auf Video 2 spricht deutsch! Und zwar klar verständlich.
Er redet vom Paradies, von der Pflicht des “Dschihads”, will Unterstützung oder wenigestens das “Vermögen” von seinen Zuschauern. Und dann der Untertitel: Es ist Abdul Algaffar El Almani, mit bürgerlichem Namen Eric B. aus Neunkirchen im Saarland, ein junger Mann, der zum Islam konvertiert ist und seit Monaten in Afghanistan vermutet wird. Militärische Kleidung, ein “Palästinensertuch” um den Kopf gebunden, ein Maschinengewehr über der Schulter. So steht der 20jährige da, ein zweiter Mann, vermummt mit einer schwarzen Sturmhaube neben ihm. Auf den ersten Blick wirken beide ein bisschen, wie zwei Halbstarke in einem selbstgemachten Rap-Video auf Youtube. Doch schon nach wenigen Sätzen wird klar: Beide meinen ernst, was sie sagen. Todernst. Ich sehe dem Terror quasi ins Gesicht.
Wie andere vor ihm ist Eric nach Afghanistan gegangen. Wie andere vor ihm hat er dort offenkundig ein Ausbildungscamp besucht. Und wie die anderen taucht er nun in einem Propaganda-Video auf. Nur: Die anderen, wie zuletzt der Türke Cüneyt Ciftci, sind tot. In der grausamen Logik des “Heiligen Krieges” der selbsternannten “Gotteskrieger” ist ein solches Video ein Vorbote einer nahenden “Selbstopferung”, eines Selbstmordanschlags also. Ein paar Telefonate später weiß ich: Auch Polizei und Nachrichtendienste sind erstaunt. Und in Sorge. Ein Ermittler bringt es lakonisch auf den Punkt: Eigentlich ist es die logsiche Folge dessen, was bislang passiert ist.
Und wo ist Eric B. jetzt? Lebt er noch? Was hat er vor? Das wissen auch die Ermittler nicht. Aber ich frage mich vor allem: Wie konnte es so weit kommen, dass ein junger Mann binnen zwei, drei Jahre vom eher beschaulichen Neunkirchen in entlegene Winkel Afghanistans reist, um dort selbst sein Leben für den militärischen Kampf gegen die westliche Welt - aus der er stammt - zu geben?
Vielleicht werden wir in den nächsten Tagen Antworten auf die ersten Fragen bekommen. Aber die Frage nach dem warum werde ich wohl nie begreifen.
Holger Schmidt | 29.04.2008 23:55 Uhr Kategorie: Weitere Themen Einen Kommentar schreiben | RSS 2.0 der Kommentare | Trackback
22 Reaktionen zu “Dem Terror ins Gesicht sehen”
1: william wolfo Am 30. April 2008 um 00:38 Uhr
Dieser Beitrag fügt sich sehr gut in die übrige Programmgestaltung der öffentlich-rechtlichen Medien ein, über die in wissenschaftlichen Studien zu lesen ist:
“In der Gesamtschau lässt sich sagen, dass sich die Darstellung des Islam in den Magazin- und Talksendungen sowie Dokumentationen und Reportagen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu über 80% an einem Bild orientiert, in dem diese Religion als Gefahr und Problem in Politik und Gesellschaft in Erscheinung tritt.”
“Es entsteht der Eindruck, als ließen sich ARD/ZDF ungeachtet vieler offizieller Bekundungen des Gegenteils von einem simplifizierten Bild des “Kampfes der Kulturen” zwischen dem Islam und dem Westen leiten, das ungeachtet seiner großen Popularität fast keine Unterstützer in der Wissenschaft findet.”
Quelle: bundestag.de/dasparlament/2007/26-27/beilage/006.html
Zu Ihrer Frage: “Aber die Frage nach dem warum werde ich wohl nie begreifen”
Damit wollen Sie wohl wieder die Assoziationskraft der Leser bezüglich kultureller Eigenarten anregen……. auf den einfachen Gedanken, dass auch in Afghanistan ein “0815″-Krieg um Einfluss und Macht geführt wird, kommen Sie wohl gar nicht?!
2: Stefanie J.J. Am 30. April 2008 um 00:54 Uhr
Eben deshalb nie nach diesem “Warum” fragen. Es gibt mehrere Möglichkeiten dazu, aber man kommt nie auf ein Ergebnis. Es macht einem nur selber das Leben schwer. Tja, der Terror war nie weit von irgendeinem Land entfernt. Man führe das Beispiel Madrid auf. Wichtig in so einer Zeit ist, Terror ernst zu nehmen aber nicht Angst zu haben. Denn das ist genau dass, was sie bezwecken wollen.
3: henry Am 30. April 2008 um 01:24 Uhr
Was ist daran nicht zu begreifen? In einer Gesellschaft die immer mehr das sozialen Netzwerke verliert (damit meine ich nicht die soziale Hängematte) suchen sich Menschen Gegebenheiten, die ihnen Anerkennung schafft. Dieser Eric hat nun das Pech in die Fänge dieser Leute geraten zu sein. Heute redet er so. Wenn er erwischt wird dann eben anders (siehe Kofferbomber die derzeit vor Gericht stehen).
Ich kann nicht beurteilen, ob diese Leute gefährlich sind. Aber wenn ich glaube, was mir dazu erzählt wird um diese oder jenen Einschnitte in die Bürgerrechte zu begründen, dann hätte doch längst ein zweiter oder dritter 9/11 vorkommen müssen. Gut das es nicht so ist, und gut, das die Leute auch nicht mehr alles glauben was ihnen weis gemacht werden soll.
4: Arizzo Am 1. Mai 2008 um 02:47 Uhr
moin
ich würde #3 henry zustimmen:
In einer Gesellschaft, in der von systembestimmenden Faktoren den sozialen Beziehungen immer weniger Wert beigemessen wird oder diese gefördert oder auch nur geachtet werden, weil letztendlich der (möglichst schnelle) Euro wichtiger ist, braucht man sich nicht wundern, daß immer mehr Menschen zu extremen Ansichten und u.U. auch extremen Taten neigen.
Wenn die Welt, in der man lebt, einem keine Sicherheit oder Perspektiven (mehr) bietet, man diesen “Umständen” scheinbar oder tatsächlich ohnmächtig ausgeliefert zu sein scheint, dann können nichtsattelfeste Gemüter (und solche werden von solchen “Umständen” reihenweise produziert) radikal werden, sich radikalen Gruppierungen irgendeiner Couleur zuwenden und in der Folge somit auch zu radikalen Handlungen tendieren.
Im Gegensatz zu henry bin ich aber durchaus der Meinung, daß solche Leute durchaus gefährlich sein können, zumindest für die Menschen, die im Zweifelsfalle in der Bahn sitzen, in der die Bombe hochgeht.
Für noch gefährlicher halte ich aber die Aufrechterhaltung der gesellschaftlichen Zustände, die eine solche Radikalisierung einzelner ermöglicht bzw. fördert. Wieviele Eric B.s braucht das Land bzw. die Verantwortlichen eigentlich, um das zu begreifen?
5: beobachter Am 1. Mai 2008 um 08:31 Uhr
@ 1: william wolfo
Herr wolfo, das erstaunt mich nun zutiefst: Ein beständiger Kritiker aller “öffentlichen” oder “offiziellen” Darstellungen beruft sich genau auf eine solche!
Das verstehe wer will.
Zur Verdeutlichung der Problematik: eine doch ausgewogene und sachorientierte Darstellung eines Aspektes ist hier zu finden, wie die “Öffentlichkeit” oder die “Offiziellen” reagieren können.
wikipedia.org/wiki/Fitna_%28Film%29
6: Guido Am 1. Mai 2008 um 17:39 Uhr
Neben den erörterten psychologischen Aspekten möchte ich einen wirtscahftlichen einbringen: Die Symptome des Terrorismus sind vielfältig, meist Attentate, die viele Menschen in den Tod reißen, die nur ihr ganz normales Leben führen wollten. Wir sehen sie seit Jahrzehnten, doch geändert hat sich nichts. Wir sind jedesmal wieder entsetzt oder haben uns schon daran gewöhnt, schauen gar weg? An den Symptomen wird eifrig kuriert: Attentate werden aufgeklärt, Schuldige verurteilt, Grenzkontrollen verschärft, Fotos gesammelt, Fingerabdrücke beim Grenzübertritt abgenommen, Fingerabdrücke von Millionen Bürgern, um damit vielleicht einigen Menschen auf die Spur zu kommen. Es werden Gesetze verschärft und mancher Staat scheint sich einzuigeln, völlig ignorierend, dass seine Infrastruktursysteme hoch verletzlich bleiben. Der medizinische Sprachgebrauch ist angebracht: an Symptomen wird kuriert, an den Ursachen nicht. Der Patient bleibt krank, obwohl seine Ursachen weitgehend bekannt sind. Terroristen haben nichts zu verlieren, weder wirtschaftlich noch geistig. Sie leben in Hass und werden darin weiter geschult. Sie sterben nicht aus, Selbstmordattentäter werden zu Helden stilisiert. Warum haben sie nichts zu verlieren? Warum hassen sie andere Menschen und Staaten? Was haben ihnen diese zuleide getan? Neben vielen emotionsbezogenen Ursachen ist mit großer Wahrscheinlichkeit das wirtschaftliche Gefälle eine der Hauptursachen. Und da ließe sich viel ändern. Wirtschaftliche Aufbauprogramme können Wohlstand mehren helfen. Je größer des Menschen Wohlstand, desto größer auch sein Bewusstsein, dass er etwas zu verlieren hat, desto geringer sein Neid-Hass-Potential. Es gibt schon viele Wirtschaftsaufbauprogramme. Auch die EU und die Vereinten Nationen bemühen sich. Aber der Durchbruch ist nicht geschafft. Was wären gute Regierungschefs? Solche, die Wirtschaftsaufbauprogramme in Höhe von 50% der Militärausgaben in Gang setzten? Sicher, auch wenn solche Programme nur langfristig helfen. Terrorismus gibt es auch schon lange, aber seinen Ursachen nicht ausreichend und mit langem Atem entgegenzuwirken, lässt ihn nur weiter blühen. Es lohnt sich, für unsere Kinder und Enkel, dies mit verantwortlichen Politikern zu thematisieren. In allen Staaten. In allen Parteien. Jeder kann das tun. Öffentlich, wie privat.
7: beobachter Am 1. Mai 2008 um 22:06 Uhr
@ 6: Guido
Ihr Zitat: “Neben vielen emotionsbezogenen Ursachen ist mit großer Wahrscheinlichkeit das wirtschaftliche Gefälle eine der Hauptursachen.” Mir erscheint das nicht schlüssig zu sein. Die Gründe sind: a) Der aktuelle Terrorismus weltweit kommt überwiegend aus dem nahöstlich Raum erweitert um Nordafrika bis Pakistan. b)Aus den eigentlichen Hungerzonen dieser Welt kommen die Selbstmordbomber nicht, es sind doch überwiegend Dschihadisten oder Israel-Hasser. Die Frage für mich ist, was haben diese Menschen gemeinsam, was vereint sie. c)Die Köpfe sind keine verarmten Menschen, denen es um Nahrung und Arbeit geht, es sind meist gut ausgebildete Leute, oft wie bin Laden auch aus gutsituierten Familien stammend. Ich sehe hier auch eine Parallele zu unserer Erfahrung mit der RAF, auch das waren keine Verarmten. Dutschke z.b. sprach auch immer von der Weltrevolution , die die Freiheit bringen sollte und andere haben dann das mit Gewalt umgesetzt, Dutschke aber lehnt die Gewalt ja ab nach seinem Bekunden. Ich sehe es so, daß sich auch, nicht ausschließlich, Gewaltbereite sich so etwas zu Nutze machen und dann auch andere Mitziehen. U.Meinhoff hatte ein hohes soziales Engagement ursprünglich gehabt und sie war ja nicht alleine damit gewesen.. Aber dann kam der Moment irgendwann, wo man dann auch bereit war, für die Ziele, die selber als richtig erkannt wurden, Gewalt bis hin zum Mord einzusetzenund da spielte dann Baader auch eine Rolle.
Wenn ich jetzt zum aktuellen Terrorismus zurückkehre, dann scheint mit nicht der soziale Fortschritt das treibende Motiv der Köpfe zu sein. Zum Wasserkochen brauchen Sie ein Gefäß, aber das entscheidende ist das Feuer darunter. für mich ist das von Ihnen genannte “wirtschaftliche Gefälle” nur das Gefäß, das Feuer speist sich von woanders her. Da kommen Gewaltbereitschaft und “Ideologie” zusammen.
8: etg Am 1. Mai 2008 um 23:16 Uhr
Ja, der zugehörige Bericht ist mir in der Tagesschau auch negativ aufgefallen. Überschrift (sinngemäß): “Islamistisches Terrorvideo”. Soll ich jetzt Angst haben, weil ein Wirrkopf ein Video veröffentlicht, in dem er zum Dschihad aufruft? Werden Sie jetzt über jedes dieser Videos gleich prominent berichten? Unter ähnlicher Überschrift, also wenn z.B. mal wieder ein Rechter Unsinn aufnimmt, dann “Christliches Terrorvideo”? Sicher nicht. Sollten Sie mal drüber nachdenken.
Und noch eins: Terror ist es erst, wenn es dazu gemacht wird. Sonst ist es ein Mordaufruf, wie es ihn (leider) täglich gibt. Der (zurecht) totgeschwiegen wird.
9: beobachter Am 2. Mai 2008 um 01:47 Uhr
@ 8: etg
Wenn ein “Rechter” oder “Wirrkopf” auf einer christlichen website zum Heiligen Krieg oder Kreuzzug aufruft und daß man sich anschließen soll oder sein Vermögen dazu verwenden soll, dann wäre das selbstverständlich ein “Christliches Terrorvideo”, wenn es schon mehrmals so vorgekommen wäre und auch Attentate von diesen christlichen Fundamentalisten auf diese Weise schon angekündigt wurden in der Vergangenheit. Das wäre doch das Analogon dazu.
Wieso denn da “Sicher nicht”? und “Sollten Sie mal drüber nachdenken”?
10: Arizzo Am 2. Mai 2008 um 02:25 Uhr
@beobachter:
Der Vergleich so wie er von Ihnen dargestellt wird, hinkt m.E. etwas. Zum Wasserkochen braucht man sowohl ein Gefäß, als auch eine Energiequelle, um das Wasser zum Kochen zu bringen. Ohne eines von beiden wird das Vorhaben scheitern. Die grundsätzliche Motivation das Wasser überhaupt zu kochen, ist aber das Entscheidende (um im Bild zu bleiben).
In jeder sozialen Gruppierung gibt es “Leader” oder “Köpfe” und “Gefolgsleute” oder “Ausführende”. Das ist bei terroristischen Gruppierungen nicht anders. Die einen denken (vor), die anderen führen aus. Die grundsätzliche Geisteshaltung ist aber bei beiden vorhanden und gleich, zumindest ähnlich. Und die Ursache für die Geisteshaltung kann durchaus das wirtschaftliche Gefälle sein, oder irgendein anderer Zustand, der von beiden Teilen der Gruppierung als unerträglich, ungerecht und beseitigenswert erachtet wird.
Je verzweifelter dabei von den Mitgliedern der Gruppierung der Zustand empfunden wird (was nicht heißt, daß er objektiv so ist), desto höher wird das Maß der Gewaltbereitschaft sein. Gewaltbereitschaft ist nicht per se im Übermaß vorhanden, sondern steigt mit dem persönlich empfundenen Maß an Ohnmacht an. (Eine Gruppe hungernder Menschen wird eher bereit sein, sich gegenseitig für eine Handvoll Reis umzubringen, als eine Gruppe gesättigter Menschen. Dies läßt sich auch auf andere Situationen übertragen.)
Daß die Köpfe von solchen Gruppen dabei sich selbst nur selten in direkte Gefahr begeben ist auch vollkommen logisch: Ihre Aufgabe ist es strategisch zu lenken um das Ziel zu erreichen. Sie zu opfern wäre für das große Ganze schädlich, was allen Mitgliedern der Gruppe auch vollkommen klar ist.
Um zurück zu Ihrem Bild zu kommen: Die Köpfe der Gruppe sind die Energiequelle. Das Gefäß sind die, die ausführen was auch immer die Köpfe ersonnen haben. Aber die hinter beiden Teilen der Gruppe dahinterstehende Motivation ist durchaus die als untragbar erlebte und gefühlte Grundsituation.
Das kann das Gefühl sein, vom “Gegner” nicht politisch oder kulturell anerkannt zu sein, wirtschaftlich benachteiligt zu sein, Situationen ohnmächtig gegenüberzustehen, etc. etc. pp - das Ganze kann dann noch mit kulturell abhängigen Sehnsüchten (Märtyrerdasein o.ä.) verstärkt oder gefördert werden. Aber das Grundmotto ist dieses: Ich finde mich in einer Situation wieder, die ich als unerträglich empfinde, die ich nicht länger hinnehmen möchte und mein einziges Mittel, mit dem ich mir Gehör verschaffen kann, sind drastische Maßnahmen (die sich übrigens auch irgendwann zu einer Art “Tradition” verfestigen können).
Und diese Grundsituationen zu ändern wäre eigentlich die Aufgabe & sollte auch das Interesse der Gemeinschaft aller Menschen sein, damit niemand egal wo im Radikalismus versinkt und andere mitreißt. Und da hat der reiche und ach so (wirtschafts-)liberale “Westen” noch etwas Aufholbedarf …
11: Arizzo Am 2. Mai 2008 um 02:33 Uhr
Nachtrag: Natürlich kommen Terroristen nicht primär aus den eigentlichen Hungerzonen dieser Welt, denn dort ist man mit dem täglichen Überlebenskampf beschäftigt.
Terroristen hungern auch nicht physisch sondern psychisch.
Und damit haben wir genau die von Ihnen genannten Gebiete erfasst.
12: beobachter Am 2. Mai 2008 um 08:27 Uhr
@ #10 und #11 von Arizzo
Wir sind uns in vielem einig, aber auch noch trennt uns ein Punkt in der Beurteilung.
Für Sie ist es ein “psychischer” Hunger, ich schrieb “ldeologie” ganz bewußt in Anführungszeichen. Zur Psyche und zur Ideologie zahle ich nämlich auch z.B. ein Sendungsbewußtsein, Allmachtsphantasien, Todessehnsucht, Märtyrertum, Innerer Antrieb durch gehörte Stimmen und das Sich Sehen als Erfüller der alten Prophetien usw.
Das hat aber einen religiösen Hintergrund und für mich ist das das Feuer unterm Kessel, aber ein Anderer kann das durchaus anders sehen in einer Demokratie mit der freien Meinungsäußerung. Da dürfen ja auch religiöse Fragen kontrovers diskutiert werden. Die Unterschiede und das Gemeinsame dürften damit klar geworden sein in unserer Ansicht, ansonsten setze ich das auch noch gerne fort für eine eingehende Debatte dieses Themas, das doch so viele bewegt und auch den Frieden zwischen den Kulturen und Religionen beeinflußt.
13: Eric Am 2. Mai 2008 um 10:12 Uhr
Ich denke diverse Leute hier im Forum haben einige der Ursachen und Hintergründe nett dargelegt (und darüber gestritten), und sehen doch ein paar Zusammenhänge dazwischen nicht, die sich mir aufdrängen.
Da ist also ein sog. ‘Terrorist’ - Ein Mensch der nach entsprechender Ausbildung, Drill, ja Gehirnwäsche bereit ist für eine Ideologie zu sterben und zu töten (und dies vorher noch alle Welt wissen zu lassen). Was hat dazu geführt?
1. Eine Gruppe/Organisation die Infrastruktur, Personal, finanzielle Absicherung, und rechtliche wie territoriale Unbeschränktheit hat, eine solche ‘Ausbilldung’ durchzuführen, die eben jene Ideologie/Weltanschauung repräsentiert.
2. Ein Grund für den Menschen, sich dieser Organisation anzuschliessen, und sich dieser Ausbildung zu unterziehen.
So weit so überschaubar, das sind die gleichen Voraussetzungen unter denen z.B. die meisten Armeen weltweit ihre Kämpfer ausbilden. Nur braucht es dazu in der Regel Staaten mit mindestens deren Nationalität als Ideologischem Antriebsfaktor, andererseits können auch Religionen und politische Gruppierungen diese Voraussetzungen aufbringen. Vordenker und ‘Führer’ mit Allmachtsphantasien finden sich immer.
Im Falle isalmistischer Terrorgruppen basiert die Zugrundeliegende Ideologie auf einer Religion (bzw deren Perversion - vergleichbar mit der Perversion des Sozialismus unter den roten Kmer) die damit eine gewisse Masse anspricht, aber das allein reicht nicht um genügend Menschen anzusprechen , um so viele Spendengelder, Mitarbeiter, potentielle Selbstmordattentäter, ja sogar ganze Landstriche zu bekommen so das eine derartige Ausbildung stattfinden kann.
Ich denke es wird immer möglich sein Leute zu finden die sich nach entsprechender Ausbildung für was auch immer Opfern werden; und diese in Kampfmaschinen zu verwandeln. Nicht alle Menschen sind dafür gleich geeignet oder anfällig, aber es wird immer Einzelne geben, und Terrororganisationen wissen wohl, worauf sie bei der Suche nach gutem ‘Attentätermaterial’ etwa im Internet achten müssen.
Aber der ganze Rest: Ausbilder, Lehrer, Psychologen, Fahrer, Wachmänner, Sanitäter, Köche, etc, die man braucht um eine militärische Terrorausbildung zu organisieren und durchzuführen, die müssen freiwillig mitmachen, ohne monatelangen Drill und Gehirnwäsche. Und viele Leute müsse bereit sein ihr Geld für die Finanzierung zu geben und deren Taten heimlich oder offen gutheissen.
Und eine radikale Auslegung des Islam allein reicht dazu nicht, die ist nur die ‘einfache Antwort für der Leute Probleme’ etwa wie Kommunisten und Nationalsozialisten sie während der weimarer Republik angeboten haben um massenhaft Zulauf zu bekommen. Aber der entscheidende Faktor ist erlebtes oder erlittenes Unrecht, das viele Menschen eine ‘Terrororganisation’ als gerechten und unterstützungswerten Ausgleich sehen lässt.
Während der weimarer Republik war dies wohl hauptsächlich finanzielle Ungerechtigkeit, Verbunden mit der Problematik aus den Versailler Verträgen.
Für die Unterstützer islamischen Fundamentalismus dürften die folgenden Faktoren eine Rolle spielen (Reihenfolge beliebig und je nach Land und Person wohl unterschiedlich wichtig):
- Ungleichgewicht des Reichtums zwischen den sog. ‘westlichen Nationen’ und dem Rest. - Ungleichgewicht im islamisch geprägten Raum zwischen Nationen die ‘den Westen’ unterstützen / wichtige Öl/Handelspartner sind, und dem Rest. - Diktatorische Regimes und wiederum sehr ungleiche Werteverteilung in einigen dieser Ländern, teilweise direkte Unterstützung der korrupten Oberschicht durch westliche Handelspartner - Fragwürdige exterritoriale Aktionen einiger westlicher Länder, wie etwa die gezielte Eliminierung von Einzelpersonen, oft unter Inkaufnahme von Kollateralschäden (=unschuldige Opfer) - internationale Deckung dieser Aktionen durch andere westliche Nationen und Blockade von Gegenmassnahmen in der UN / Sanktionen - Invasionen im islamischen Raum durch westliche Länder, sowie die Gesamtsumme des durch diese Aktionen erlittenen Unrechts (z.B. Massaker an der Zivilbevölkerung durch US Söldnereinheiten im Irak) - Ungleichbehandlung muslimischer Minderheiten in manchen westlichen Staaten - etwa durch Integrationsschwierigkeiten - oder Anti-terror Gesetzgebung.
Naturgemäss ist jeder dieser Faktoren eine sehr einseitige Betrachtung und für einige findet sich bei objektiver und intellektueller Analyse eine durchaus hinreichende Rechtfertigung. Aber das speilt keine Rolle, solange entsprechende Organisationen öffentlich mit dem Finger zeigen können und sagen können “das sind die Bösen, wir sind die Befreier, gebt uns Geld, und wir bekämpfen ‘das Böse’ , schliess Dich an und werde ein Held/komm ins Paradies/mach deine Famile reich …”
Und wenn die Fronten sich nach Terroranschlägen, Vergeltungsmassnahmen, Kriegen und Guerilliakriegen, Terror und Staatsterror, etc verhärtet haben, und ein Feindbild sich in den Köpfen der Menschen festigt, kann der jeweilige Führer vor seine Anghänger tretet und auf ‘wollt ihr den totalen Krieg’ ein begeistertes ‘Jaa!’ ernten. ( Entschuldigt bitte den Nazivergleich, aber IMHO drängt sich das schon fast auf, in gewissem Sinne war auch die NSDAP eine Terrororganisation )
Vielleicht sollte man also, anstatt als Antwort auf Terrorismus nur mit dem Finger zu zeigen und sich in sinnlosen Aktionen (die sich letztendlich gegen das eigene Volk richten) einzuiegeln um sich vor Einzelaktionen zu schützen vor denen es keinen Schutz giebt. stattdessen die Hintergründe beleuchten und fragen wie es soweit kommen konnte. Nicht nur das ein Einzelner bereit ist zu töten und zu sterben, sondern warum andere bereit waren ihn zu an diesen Punkt zu bringen.
14: beobachter Am 2. Mai 2008 um 12:32 Uhr
@ 13: Eric
Okay, der Nationalsozialismus oder der “wissenschaftliche Kommunismus” bildeten ja ebenfalls eine Art von “Staatsreligion” aus nach dem Motto “Du bist nichts, Dein Volk (der Sieg des Kommunismus, die Weltrevolution) ist alles!”
Das ist nur “quasi-religiös” verbrämt, im Kern aber das Gleiche und eine Ersatz-Religion.
Was sie beklagen, Rückständigkeiten, Ungleichgewichte bei märchenhaftem Reichtum ohne eigenes Zutun durch das Öl im Boden, das hat doch nicht der “Westen” verursacht. Der Feudalismus in Saudi-Arabien hat nicht die Ursachen im Westen. Mangelnde Bildungsbereitschaft, Frauenunterdrückung, das alles wollen sie doch nicht dem Westen im Ernst in die Schuhe schieben oder eine Stagnation bei den Wissenschaften, außer der Theologie. Da bitte ich doch noch einmal tiefer zu analysieren. Der sog. “Westen” ist keine “Unschuld vom Lande” sicherlich, er hat nach dem Motto “divide et impera” so operiert wie alle in der Region operieren heute noch, unabhängig von der Nationalität.
Aber in der Region eint das “grüne Band”, das die Gelder fließen läßt und “den Fisch im Wasser schwimmen” läßt nach alter Guerilla-Terminologie.
15: Christian Am 2. Mai 2008 um 15:13 Uhr
zu William Wolfo: Wann werden islamistische Jünger begreifen, dass an erster Stelle sie es sind, die sich mit ihren schwarzen Schafen auseinanderzusetzten haben, hoffentlich nicht erst dann, wenn es einmal mehr zu spät ist.
16: Peter Kunde Am 2. Mai 2008 um 18:28 Uhr
Anerkennung ? Selbstverwirklichung ? Muss man dafür wirklich Verständnis aufbringen ? Vielleicht gäbe es ja noch einige andere Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen.
Aber Verrückte und Kriminelle müssen mit allen Mitteln daran gehindert werden, sich selbst zu verwirklichen.
17: Jutta Rydzewski Am 4. Mai 2008 um 12:36 Uhr
Von der Überschrift „lebt“ ein Kommentar. Die Schlagzeile soll das Interesse wecken. So scheint „moderner“ Journalismus … bei BILD und den Privaten angelegt zu sein. Doch muss das auch bei den Öffentlich-Rechtlichen so oder so ähnlich sein? “Dem Terror ins Gesicht sehen”, woraus im weiteren Verlauf des Blogeintrags etwas “abgeschwächt” - Ich sehe dem Terror quasi ins Gesicht - wird. Muss ein großer öffentlich-rechtlicher Sender, die immer wieder den eigenen Anspruch der Seriosität betont, mit dieser reißerischen Überschrift „aufmachen“? Ein wenig erinnert mich diese Überschrift an eine andere, ebenfalls sehr fragwürdige, in den letzten Wochen: Babymord. …
Was ist denn nun geschehen? Der Autor befasst sich mit ein paar Videos von einer so genannten dschihadistischen Webseite, als - “Neuigkeiten“ meiner Kundschaft -. Darin „berichtet“ ein Zwanzigjähriger, offenbar fanatisiert und verwirrt, in martialischer Aufmachung und Rhetorik, über die Pflicht zum Dschihad, was der Autor, wie er selbst einräumt, weder für ungewöhnlich hält, noch erstaunt es ihn im Hinblick auf seine “Kundschaft”. Aber dann kommt wohl aus Sicht des Autors das “Sensationelle”, einer der Männer spricht doch tatsächlich deutsch, und das auch noch klar verständlich. Was ist daran so besonders, zumal der junge Mann aus Neunkirchen im Saarland kommt? Oder ist es der Umstand, dass er zum Islam konvertiert ist? Ich möchte jetzt nicht weiter auf die geschilderte Biografie des deutschen Dschihadisten eingehen, sondern die Frage stellen, die auch der Autor, wenn auch anders intendiert gestellt hat: Wie konnte es so weit kommen? In der Tat, wie konnte es so weit kommen, dass ein Zwanzigjähriger, wegen eines Videos, über einige Tage in den Hauptnachrichtensendungen der ARD Erwähnung findet, Ähnliches bei den Printmedien stattfindet, und darüber hinaus immer ausdrücklich darauf hingewiesen wird, dass sich die deutschen Geheimdienste und natürlich auch die Bundesanwaltschaft “große Sorgen” machen? Seltsam, dass die “Sorgen” von Geheimdiensten fast schon “aufdringlich” öffentlich gemacht werden. …
Wie konnte es so weit kommen? Vielleicht ist es mir erlaubt, darauf eine Antwort aus meiner Sicht zu versuchen. Dabei steht ganz oben Angst und noch einmal Angst, die leider nicht nur von der Politik, sondern auch von den (öffentlich-rechtlichen) Medien verbreitet wird. Und in diesem Zusammenhang gibt es ein historisches Datum, der 11.09.01. Von diesem Tage an, ist der Menschheit, durch eine unsägliche, die Welt spaltende, und im wahrsten Sinne des Wortes kriegsführende “Antiterrorpolitik”, ein neues Denken verordnet worden. Es zog, sogar bis in elementare rechtsstaatliche Bereiche, das Feinddenken ein. Dabei wurde dreist und willkürlich, in Gut und Böse, Schurke und Nicht-Schurke ein- und aufgeteilt.
Die Angst zog und zieht durch die Nachrichtensendungen, sie besetzt das Denken der Menschen. Ganz individuelle Angsterfahrungen, die jedem Menschen zu Eigen sind, werden instrumentalisiert, und auf den so genannten islamistischen Terror konzentriert, von den Medien klischiert, multipliziert und potenziert. Dramatisierende Berichterstattung und plakative politische Reaktionen schaukeln sich gegenseitig hoch und höher. Angst wohin man auch schaut, aber immer nur vor den “Anderen”. Angst vor Schläfern, dem Islam, dem Islamismus und der Scharia. In diesem Zusammenhang bin ich an das neue Buch eines sehr bekannten Journalisten, und ehemaligen Staatsanwalt und Richter erinnert: Der Terrorist als Gesetzgeber. Wie man mit Angst Politik macht. Ich möchte noch weiter gehen: Wie man mit Schlagzeilen Angst macht.
Abschließen möchte ich mit den Worten des Autors dieses Blogeintrags. Seine Anmerkung - Vielleicht werden wir in den nächsten Tagen Antworten auf die ersten Fragen bekommen - möchte ich allerdings wiederum abwandeln: Werden wir je eine Antwort erhalten, warum der 11.09.01 bis heute, und wohl auch noch für eine lange, lange Zeit, in dieser Form instrumentalisiert wird? Und noch einmal der Autor - Aber die Frage nach dem warum werde ich wohl nie begreifen -. Die Frage nach dem warum, in dem von mir geschilderten Sinne, stelle ich mir nicht mehr.
Angst war schon immer ein sehr schlechter Ratgeber. Wenn Angst aber in Feindschaft und Hass umschlägt, wird es allerhöchste Zeit umzudenken. Immer dann wenn, ob nun im politischen oder medialen Raum, von Religionsfeinden, Kulturfeinden, Gesellschaftsfeinden, Erbfeinden, Rassenfeinden gesprochen wurde, war es der Beginn des Terrors der Macht.
Mit freundlichem Gruß Jutta Rydzewski
18: Cerebrosus Keras Am 4. Mai 2008 um 15:10 Uhr
Verrückte müssen mit allen Mitteln daran gehindert werden, sich selbst zu verwirklichen?
Verrückte wie Theo van Gogh?
*staun*
In München ist eine Verrückte in der U-Bahn unterwegs und verwirklicht sich selbst indem sie auf dem Bahnsteig hin und herläuft und laut vor sich hinschimpft. Sollte man sie also mit einem Sondereinsatzkommando überwältigen?
Und was die Beschaulichkeit von Neunkirchen betrifft, ich kenne die südwestdeutsche Provinz sehr gut, und kann gut nachvollziehen warum Leute, die dort sozialisiert wurden sich in die Luft sprengen wollen. Gut das wird bei dem Halbtoten im Video nicht die Ursache sein, da reicht wohl Testosteron…
19: beobachter Am 4. Mai 2008 um 20:22 Uhr
@ #18 (Cerebrosus Keras)
Theo van Gogh ist ein Künstler und Filmemacher gewesen, der von einem Islamisten auf offener Straße grausamst “hingerichtet” wurde, was war denn “verrückt” an ihm? Doch nicht das Opfer zum Täter machen, das wäre zynisch und menschenverachtend!
@ #17 (Jutta Rydzewski)
In den Berichten der Tagesschau kann ich von Angst nichts entdecken. Es gibt die Warner vor dem islamistischen Terror, und das ist doch beim Stichwort Theo van Gogh nur allzu berechtigt. Auch nach diesem Anschlag wird in den Niederlanden weiter Fahrrad gefahren, wer hat denn da Angst? Ein klinisches Symptom ist die Angst vor der Angst, ebenfalls nicht angebracht und führt rasch zu einer Angstpsychose oder einer Phobie. Warnen und Angstverbreiten sind zwei völlig unterschiedliche Verhaltensweisen. Den Terror gibt es und man braucht ruhigen Mut und keine Angst, die ich so nicht sehe, die aber andere offensichtlich verbreiten. Business as usual ist angebracht. Angststörungen hängen meist mit einer gestörten Wahrnehmung von sich oder der Umgebung zusammen. Vor dem deutschen Dschihadisten Eric B. braucht man keine Angst im klinischen Sinn zu haben, aber aus Erfahrung ist damit zu rechnen, daß er etwas im Schilde führt. Man wird ihn weiter beobachten und dann sehen, was er plant und dann zugreifen. Das Mitteilungsbedürfnis dieser Leute wird Ihnen somit zum Verhängnis, aber die von Ihnen genannten “Schläfer” sind weitaus gefährlicher, da noch nicht im Fokus.
Zu Amstetten und den Kindstötungen / Morden, wenn Sie das erstere besser finden sollten: Die Totschlägerin wurde als schuldfähig eingestuft, Sie äußerten Zweifel, wenn ich mich noch recht erinnere. In Amstetten versucht auch die Verteidigung, diese Linie der Schuldunfähigkeit zu fahren, wie sehen sie denn nun dieses?
Wird bei derlei monströsen Taten mit langanhaltendem planvollen Vorgehen auf schuldunfähig plädiert, dann ist das doch ein Signal, daß ein Täter nach den ersten Verbrechen möglichst “bizarr” weitermachen muß, damit er seinem Richter entkommt und zum Psychiater überwiesen wird. Diese “Schule” gibt es ja, für die nahezu jedes Verbrechen eigentlich nur “krank” ist und den Täter dann seiner Verantwortung enthebt. Denn gegen “Krankheit” kann man ja eigentlich nichts machen, so diese Einstellung letztenendes. Damit wird der Mensch seines freien Willens beraubt, sich für Gut oder Böse zu entscheiden und das haben sie doch oben zitiert: “….in Gut und Böse, Schurke und Nicht-Schurke ein- und aufgeteilt.” Gibt es denn “Gut und Böse ” in Ihren Augen und wie teilen Sie denn das ein und auf?
Wenn Sie hier die Medien oder die Behörden kritisieren, dann haben Sie doch eine Vorstellung davon, was “Gut oder Böse” ist und somit auch eingeteilt mit Ihrer Kritik.
20: Guido Am 5. Mai 2008 um 08:33 Uhr
Ich folge der Diskussion mit großem Interesse und finde die Beiträge von Jutta besonders schlüssig; danke dafür. Als Antwort auf 13 Eric: Zitat “Aber der entscheidende Faktor ist erlebtes oder erlittenes Unrecht…” Das bringt die Sache gut auf einen Punkt, denn das erlebte Unrecht kann u.a. physischer, psychischer und eben auch wirrtschaftlicher Natur sein. Mein auf einen kurzen Nenner gebrachtes Petitum ist: lasst uns mehr wirtscahftlichen Wohlstand in die Länder bringen, wo der Terrorismus nachwächst! Das hilft nicht gleich, aber mittelfristig doch am aller sichersten.
21: beobachter Am 5. Mai 2008 um 09:25 Uhr
@ 20: Guido “lasst uns mehr wirtscahftlichen Wohlstand in die Länder bringen, wo der Terrorismus nachwächst!”
Das tun wir seit Jahren und Jahrzehnten doch!
Aufbauhilfen der EU in die Palästinensergebiete > Waffen! Milliarden für’s Öl > goldene Wasserhähne und Badewannen!
Weil wir die Länder dazu zwingen sicherlich!
22: Guido Am 5. Mai 2008 um 13:58 Uhr
Hallo Beobachter, in deinem Beitrag sprüre ich viel (beißende?) Ironie; ich meine das mit den wirtscahftlichen Aufbauprogrammen aber ernst. Da ist sicher schon viel getan worden, aber ich vermisse die Systematik und das abgestimmte Vorgehen der Geberländer. Ich denke, es könnten noch tausende produktiver Einzelprojekte hinzukommen, die gezielt Bevölkerungsgruppen oder auch Ortschaften aufbauen helfen und durch Tatkraft und Taten gekennzeichnet sind, nicht druch Geldspenden oder Weizenlieferungen, die dann meist in dunklen Kanälen verschwinden. Bei der Wasserversorgung und der Kleinstlandwirtschaft fängt es an und we größere nahrungsmittellieferungen spendieren will, muss sicher die Lastwagen zur Verteilung und deren Diesel auch gleich mitbringen. Umfassende Schulausbildungsprogramme gehören sicher auch dazu. Wer kennt eine umfassende systematische Schilderung der derzeit laufenden Programme? Wäre doch mal interessant, und vor allem deren Wert in Prozent der Militärausgaben.
23: beobachter Am 8. Mai 2008 um 04:15 Uhr
@ #22: Guido
Hallo Guido
Ironie, wie kommen sie denn darauf? —— dann nehme ich Sie mal beim Wort! Frage 1: Kommt der Terror aus dem islamisch-arabischen Raum überwiegend? Frage 2: Bedroht uns (die BRD) dieser Terror? Frage 3: Nach welchen Prioritäten soll die Hilfe verteilt werden in aller Welt? a) an die Allerärmsten? b) an die, die am lautesten schreien? c) an die, die durch die Öleinnahmen eigentlich wohlhabend wären, wenn sie sich nicht lieber gegenseitig bekämpfen würden oder gegen den gemeinsamen Feind Israel dann vorgehen würden? d) an die, die mit unserer Hilfe sich dann Waffen kaufen und uns noch zum Dank dafür dann den Terror schicken?
Warum geben wir die Hilfe nicht lieber den Ärmsten, die sich dann Nahrungsmittel leisten können oder ihr Land bewirtschaften, statt nur immer wieder neuen Krieg zu führen mir ihren Nachbarn. Das war jetzt weniger ironisch, mehr sarkastisch gemeint.
24: Cornelia Am 12. Mai 2008 um 05:21 Uhr
@ 13 Eric am 2.Mai Vielen Dank für Ihren hervorragenden Beitrag dessen Aussage ich mich,nach mehreren in Marocko gelebten ,und im gesammt islamischen Raum gearbeiteten Jahren, nur anschliessen kann. Ich bin zum ersten Mal im sehr interesanten Tagesschau Blog .Aus Belgien kenne ich einen derartigen Block leider nicht. Kritisch sehe ich nur die , wohl von der Redaktion , gesetzten Einwürfe des “Beobachters” die ich auf die Dauer ennervierend finde.
25: Guido Am 15. Mai 2008 um 22:40 Uhr
Hallo, Beobachter, ob ironie oder Sarkasmus, ich versuche (vielleicht letztmalig, denn ich dachte, meine Zielvorstellung hinreichend skizziert zu haben) auf jede Ihrer Fragen einzugehen:
Frage 1: Kommt der Terror aus dem islamisch-arabischen Raum überwiegend? Antwort: überwiegend schon, aber eben nicht nur; ich sprach von Bevölkerungsgruppen oder auch Ortschaften, denen wir bei der Generierung von mehr Wohlstand helfen sollten, egal in welchem Land; nur bitte dort, wo die Quelle nachwachsenden Terrorismus’ am ehesten steckt. Oft sind es ja Individuen und denen gilt es die Argumentation zu entziehen.
Frage 2: Bedroht uns (die BRD) dieser Terror? Antwort: derzeit nicht wirklich, was uns aber in keiner Weise hindern sollte, an der Eindämmung des Terrorismus aktiv mitzuwirken; Dänemark und Spanien sind Beispiele dafür, wie schnell sich eine Lage ändern kann.
Frage 3: Nach welchen Prioritäten soll die Hilfe verteilt werden in aller Welt? a) an die Allerärmsten? b) an die, die am lautesten schreien? c) an die, die durch die Öleinnahmen eigentlich wohlhabend wären, wenn sie sich nicht lieber gegenseitig bekämpfen würden oder gegen den gemeinsamen Feind Israel dann vorgehen würden? d) an die, die mit unserer Hilfe sich dann Waffen kaufen und uns noch zum Dank dafür dann den Terror schicken? Antwort: siehe Antwort zu Frage 1
26: beobachter Am 16. Mai 2008 um 01:27 Uhr
Hallo Guido
Ihre Antworten haben einen Knackpunkt:
>”Antwort: siehe Antwort zu Frage 1″
>Frage 1: […] Oft sind es ja Individuen und denen gilt es die Argumentation zu entziehen.
Ja, diese Individuen heißen z.B. bin Laden, Sarkawi, Nasrallah usw. Das sind aber keine “Armen”, denen man etwas geben muß, sondern Terroristen, die man bekämpfen muß.
Guido ca. 20. Mai 2008: wurde zumindest bis 26.5. noch nicht angehängt, d.h. von der Redaktion noch nicht freigegeben
Da hatte ich noch geschrieben, dass sich die beiden Handlungsrichtungen ja nicht ausschließen: zum einen die Individuen bekämpfen und zum anderen die Wirtschaftsaufbauprogramme, die helfen, den Nährboden des nachwachsenden Terrorismus auszudünnen. Angefügt sei: die Aktionen der Garmene-Bank des Friedensnobelpreisträgers YUNUS zielt genau in diese Richtung, indem sie Mikrokredite gewährt, mit denen sich Arme eine Existenz aufbauen können und damit der Armut entkommen.
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