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Impressionen

Hier möchten wir Erlebnisse, Eindrücke, unvergessliche Begegnungen, Empfindungen u. dgl. schildern, die

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  • lebensgestaltend sein können
  • Mitfühlenden helfen können
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  • oder auch einfach vieles offen lassen.

Wir sind offen für Gedanken und Beiträge unserer Besucher. Bitte einfach senden an
guido.guertler@t-online.de damit wir sie mit aufnehmen können.

 

Inhalt

Europa, Region des Friedens

Helden (Beitrag von Herwig Hillegeist)

Tödliche Ehre (Beiträge von Guido Gürtler und Peter Morgenroth)

Gastspiel unterm Sternenhimmel

Coventry Cathedral 1959

Dr. Dai Hesheng

Alte, alte Alte, junge Alte

 

Europa, Region des Friedens
VDK 90 Jahre
Der große Vorteil der EU ist, so sagte ich immer, dass die darin versammmelten Länder nicht mehr aufeinander schießen. Das möge dauerhaft so bleiben, denn die letzten Kriege waren schlimm genug. Der VDK drückt das auf seine Art aus und er hat Recht. Ich werde nicht vergessen, wie mich der französisch- deutsche Soldatenfriedhof bei Colmar in den Vogesen tief beeindruckte, als wir ihn auf einer Klassenfahrt des Gymnasiums besuchten. Den Lehrern danke ich noch heute.Meine große Hoffnung ist, dass anderen Regionen die 500 Jahre dieser Lernkurve erspart bleiben.

 

 

Ein paar Gedanken zum Thema „Helden“
von, und mit Dank an, Herwig Hillegeist

Unsere Großväter wurden – wenn sie ihn denn überlebt hatten - als Helden bei der Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg in der Heimat empfangen. Zwar nicht durchwegs, jedoch in ländlichen Gebieten. Und sie wurden als solche auch weiterhin so betrachtet, unabhängig davon, wie heldenhaft sie die Kriegsjahre überstanden hatten. Den Gefallenen wurde ein Ehrenmal gewidmet, die Inschriften lauteten dann auch: Unseren gefallenen Helden, o.ä. Und da es sich um Millionen Tote handelte, machten weitsichtige Männer, die 1919 den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gründeten, den Vorschlag, alljährlich einen Volkstrauertag zum Gedenken dieser Toten zu begehen. Die Nazis benannten diesen Tag um in Heldengedenktag (sh. Wikipedia   http://de.wikipedia.org/wiki/Volkstrauertag ). 

Und hier beginnt der Irrwitz in der Geschichte aus meinem näheren Umfeld: In meinem Elternhaus wohnte seit ca. 1915 unsere Tante Kiel. Sie war nicht mit uns verwandt, sie gehörte jedoch zum Haus. Ihr Mann war Postbeamter gewesen, er fiel 1916 bei Langemarck. Aus dieser Ehe gab es einen Sohn (geb. 1910), Albert. Er war mein Patenonkel, er war mit meinen Eltern befreundet, trat früh der Bündischen Jugend bei und wurde nach der Gleichschaltung der deutschen Jugendbewegung ab 1933 HJ-Führer in meiner Heimatstadt. Und ich habe durchaus den Eindruck, dass er von den Ideen der Nazis nicht nur beeindruckt war, sondern durchaus auch überzeugt.

Im Herbst 1938 nahm er an einer Wehrübung (Grundwehrdienst) teil, Ende August 1939 wurde er eingezogen und nahm am Polenfeldzug teil. Dort wurde er verwundet. Bis zu diesem Zeitpunkt war sich seine Mutter nicht im Klaren über seinen Verbleib, nun wurde sie tätig, auf ihr Betreiben wurde er Ende Juli 1940 aus dem aktiven Wehrdienst entlassen und begann eine Beamtenlaufbahn bei der Wehrmachtsverwaltung. Nach damals geltendem Recht hätte er als Kriegswaise nicht Soldat werden müssen.

Albert behagte diese Situation nicht. Er betrieb seine Wiedereinstellung als Soldat, das gelang ihm, und er wurde im September 1940 zu einem Besatzungstruppenteil nach Norwegen in Marsch gesetzt.

Dort wäre er ziemlich sicher gewesen, dort blieb er bis Anfang Juni 1943. Es war ihm in Norwegen zu ruhig, er meldete sich freiwillig an die russische Front, wo er Ende August im Alter von nur 33 Jahren fiel.

In einem Feldpostbrief an meine Mutter schrieb er am 7.Juli 1943 u.a. ..........Ich habe mich bereits an die hiesigen Verhältnisse gewöhnt. Der Unterschied zwischen dem Norden und hier ist sehr, sehr groß; aber der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Man muß eben dieses Leben mitgemacht haben. Wenn nicht alles Lüge sein soll, was man einmal von Vaterland, seinem deutschen Volke, Treue und anderen heiligen Dingen geredet hat, dann muß man auch den Mut haben für dieses sich einzusetzen, genau so wie die vielen anderen, die weniger davon geredet bezw. sich damit beschäftigt oder daran gedacht haben. Ich würde auch nie wieder über solch’ große Dinge von Ewigkeitswerten sprechen können. Es würde ja doch Lüge sein......... Seine Mutter wußte nicht, daß er nicht mehr in Norwegen war.

Aus seinem erhaltenen Tagebuch, das er von Ende Juli 1943 bis kurz vor seinem Tode akribisch geführt hatte, ein paar Zitate - wegen einer Verwundung liegt Albert in einem Lazarett, von dort seine Beobachtungen: ..........Die Reden der Zimmergenossen erschrecken mich oft u. zeigen mir wie böse es in der sogen. breiten Masse aussieht / Die schlechten Menschen finden überall willige Ohren / Es scheint übrigens auch viel gesündigt zu werden / Offene kommunistische Redereien / Einer: Wenn in Gefangenschaft, den ersten besten dtsch. Offiz., den er sieht, vor den Augen der feindl. (russ.) Wärter oder Soldaten tot schlagen / Der Name des Führers wird gelästert, die Regierung beschimpft / Niemand spricht dagegen / Nur eiserne Gewalt hält diesen Sauhaufen zusammen u. in Ordnung /..................

Am 24. September 1943, also fast vier Wochen nach seinem Tode schrieb der Kompanieführer: ............Eine feindliche Kugel traf ihn in den Kopf. Er war sofort tot und hat nicht zu leiden brauchen. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Heldenfriedhof in dem Orte Tschemlysch in einem Einzelgrab......... In Kondolenzschreiben seines Arbeitsgebers sowie seiner Vereine und anderer Organisationen wird ebenfalls vom ............Heldentod Ihres Sohnes........ gesprochen. Und der Kreisleiter der NSDAP schreibt in ähnlicher Diktion.

Wofür starb Albert? Um Held zu sein? Ich kann diese Frage nicht beantworten. Ist der, der überlebt hat, ein Held? Hätte er das Kriegsende erlebt, so wäre er vermutlich völlig verwirrt gewesen, weil er hätte feststellen müssen, dass eben doch alles Lüge war, was man ihm eingeimpft und was er wohl auch geglaubt hatte. Auf jeden Fall, es ist traurig um diesen Menschen wie um all die andern auch, denen es ähnlich ergangen ist. Und das Schlimmste von allem ist, dass diejenigen, die das Unheil angezettelt hatten, weitgehend glimpflich davongekommen sind.

Der Volksbund, den ich vor einigen Jahren anschrieb, um nach einer Grablege zu fragen, wusste nichts von Albert, erst durch meine Anfrage wurde er in die Kartei aufgenommen, dort ist er nun zu finden

(http://www.volksbund.de/graebersuche/content_ergebnis_detail.asp?id=1777397&sec_id=A50C688237B434E2542FCCAA33C2DD8E8EC22E2E).

1939 Albert

1939

1940 in Norwegen

1940 in Norwegen

1943 in Russland

1943 in Russland – sehen so Helden aus?

Meine Essenz daraus kann nur sein: Seid wachsam, dass Derartiges nicht wieder geschieht. Diese Lehre müssen wir unseren Kindern und Enkeln weitergeben, sie können sich kaum vorstellen, was damals war und wie leicht gerade junge Menschen verführbar sind. Neue Gefahren lauern da nicht nur in alltäglichem Geschehen und in der Parteienlandschaft (vor allem leider im deutschen Osten), auch das Internet ist voller Gefahren für leicht Beeinflussbare.

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Tödliche Ehre
oder: Wie Menschen manipuliert werden können -

Meine Mutter sagte mir Jugendlichem, dass mein Vater in den mittleren Jahren des 2. Weltkrieges meinte, wie er denn wohl da stünde, wenn nach dem Sieg alle geehrt würden und er nicht dabei sei. Im Februar 1943 hatte er seinen letzten Heimaturlaub, am 10.7.43 12:10 ist er in der Ukraine seinen Verletzungen erlegen. „Die Beerdigung findet mit militärischen Ehren auf dem Heldenfriedhof in Saporoshje statt“, Feldpost Nr. 43 641, 12.7.43.

Er war „freiwillig“ in den Krieg gezogen. War er Propagandaopfer?

Im Jahre 2000 besuche ich das Museum in Atlanta (Georgia) unMVC-021Sd traue meinen Augen nicht:
 „Ich hatte das Gefühl, dass ich in Ungnade fallen würde, wenn ich daheim bliebe, während andere Jungens meines Alters draußen kämpfen (Capt. James Cooper, Tennessee).“

So hätte es auch mein Vater gesagt haben können.

Meine Gefühle kochten zwischen Betroffenheit, Erschütterung, Zorn, Ohnmacht, Wut: da sind doch Menschen manipuliert
worden, in höchstem Maße bis hin zu der freiwilligen
Bereitschaft, ihr Leben zu riskieren, um einer möglichen späteren Ehre nicht zu entgehen? Und sie werden es heute noch.

Wie könnte ich helfen, einem Wiederholungswahnsinn vorzubeugen? Nicht sehr viel, denn auf die Politik habe ich keinen Einfluss. Aber vielleicht doch etwas: die Pflege von Kriegsgräbern unterstützen, denn sie sind nicht nur Friedhöfe, sie sind Mahnmale. Jeder Tote mahnt. Es geht um ihn selbst, seine zerrissene Familie, brutal geänderte Lebenswege.

Ich unterstütze den VdK Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. seit über 40 Jahren. Auf seiner Website heißt es:                                                                   „SaporoshjeDSCN1030
In Saporoshje gab es bereits Ende des Zweiten Weltkrieges einen deutschen Soldatenfriedhof. Als in den 60er Jahren die zerstörte Stadt wieder aufgebaut und Straßen angelegt wurden, stießen die Arbeiter auf zahlreiche weitere deutsche Soldatenfriedhöfe. Die Toten wurden alle auf dem Gelände des ursprünglichen Friedhofes in Massengräbern beigesetzt. Der Volksbund vermutet hier über 7.000 Tote. Nach längerem Zögern hat die Stadtverwaltung dem Ausbau des etwa einen Hektar großen Friedhofes zugestimmt.

Im Oktober 2001 wurden die Bauarbeiten abgeschlossen und die Abnahme durchgeführt. Die Anlage wurde durch einen Metallgitterzaun eingefasst. Die als Hügel sichtbaren Massengräber sind mit Symbolkreuzgruppen gekennzeichnet. Der Gedenkplatz mit Granithochkreuz ist durch einen Pflasterweg mit Eingang und vorgelagertem Parkplatz verbunden.“

Ein kleiner Trost! Ich kann ihn mir vorstellen, den Friedhof in Saporoshje. Möge er gemeinsam mit tausenden weiterer Soldatenfriedhöfe den Politikern stete Mahnung sein!

Peter Morgenroth bin ich sehr dankbar für  folgende Gedanken:

Vielleicht können auch neuere wissenschaftliche Erkenntnisse einen Erklärungsbeitrag leisten.

Battina Gartner hat am 22.04.2004 in der ZEIT einen aufschlussreichen und zusammenfassenden Artikel geschrieben, siehe  http://www.zeit.de/2004/18/M-HirnforschungIch empfehle  gelegentliche Lektüre. Denn mich hat er zum Weiterdenken angeregt, auch in der Richtung "Heldenbeeinflussung". Die neurologische Forschung hat ja allenthalben damit Aufsehen und eine Welle der Begeisterung verursacht, dass man vor 15 Jahren das Spiegelneuron gefunden hat.

Das erklärt kurz gefasst, dass das Zusehen (Vorbilder) die gleichen körperlichen Reaktionen auslöst wie eigenes Erleben. Warum, so kann man fragen, rühren Filmszenen zu Tränen, erzeugen eigene Schmerzen, als ob man selbst in der "Leinwandrolle" drin stecken würde? Warum also kann man sich so schlecht entziehen (und die ebenfalls vorhandene genetische Hemmschwelle einschalten) wenn Massenphänomene auftreten wie einst die Führerpropaganda oder die Mode oder der Zeitgeist.

Ich finde es nachdenkenswert, von Geburt an ein "mitfühlendes Gehirn" zu haben, zugleich aber Vorbildern ausgesetzt zu sein, die ich individuell kaum beeinflussen kann. Oder doch?

Ich sehe auch praktisch keine Möglichkeit, die Politik zu beeinflussen. Und auf einem Soldatenfriedhof liegt kein Verwandter. Ich setze mich aber dafür ein, dass jedwede Uniform hinterfragt wird. Und im Rahmen des oben Angedeuteten habe ich dabei nur eine Chance auf Einfluss, wenn ich selbst in die „Vorbild-Sphären" aufsteige.

Um diese Vorbildfunktion kann sich jeder bemühen.
Es wird wirken.

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Gastspiel unterm Sternenhimmel
Sommerabend in Galizien, ein betörendes Grillengezirpe. Die Nacht bricht herein, so gegen 23:00 Uhr. Langsam kommen Sterne auf, viel klarer zu sehen als über Deutschland. Zuerst die Venus, dann viele andere, der Große Wagen, die Milchstraße; sie wird immer deutlicher, sogar ihre Nebel werden ganz hell und klar. Ein warmer Wind, hin und wieder ein Schrei des Nachtvogels, undSternenhimmel sein ganz eigenes Flügelklatschen.
Der Himmel fasziniert mich: „da oben“ sind doch unzählbar viele Sonnensysteme. Wir Menschen haben es gerade mal geschafft, eine Raumkapsel Nahaufnahmen vom Mars machen zu lassen; die Kapselsommerdreieck1 war etwa 4 Jahre unterwegs. Wie weit ist die Milchstraße eigentlich weg? Sollte es je gelingen, eine Raumkapsel dort hin zu dirigieren? Wie lange wäre die wohl unterwegs? Habe ich nicht gerade Dimensionen vor mir, die sich dem Menschen gar nicht erschließen? Auch nicht erschließen sollten?

Es mag kindlich gefragt sein, aber wie kommt es, dass Sterne und ganze Sonnensysteme nicht zusammen stoßen. Herrscht da eine göttliche Ordnung, die wir Menschen nicht verstehen? Wie lange existiert das „Universum“ schon? Welche Zeitdimensionen ließen sich greifen?

Mir wird bewusst, wie klein unsere Erde ist, wie klein wir Menschen eigentlich sind und wie kurz unser Gastspiel hier unten ist. Selbst eine „kosmische Nanosekunde“ wäre wohl um Dimensionen daneben gegriffen. Mir wird bewusst, welche Verantwortung jeder Mensch für die Erhaltung unserer kleinen Erde hat.

 

Coventry Cathedral 1959
oder: Wie ein Spätergeborener mit den Folgeruin of coventry cathedraln des Dritten Reiches konfrontiert wurde

Mit 15 Jahren im Schüleraustausch in Sutton Coldfield bei Birmingham. Es war eine Zeit, in der alle Länder Nationalbewusstsein entfalteten, nur wir Deutsche nicht. Irgendwie störte mich das.

Die sehr menschlichen Gasteltern zeigten mir die  Restmauern der zerstörten Kathedrale von Coventry. Das waren deutsche Fliegerbomben, sagten Sie. Ich stand da wie ein begossener Pudel.

Was sollte ich sagen? 1945 war ich doch erst ein kleines Kind. Sollte ich eine Mitschuld haben, oder gar eine anerkennen? Vielleicht eine für meine Eltern? Die hatten darauf doch auch keinen Einfluss. Wurde ich als Person beschuldigt? Weil ich Deutscher bin? War nicht „Sippenhaft“ gegeißelt? Wurde die jetzt angewandt? Mein Hirn raste. Schließlich löste ich mich aus der mentalen Umklammerung mit der Bemerkung, dass die Bombardierung sehr schrecklich gewesen sein muss und hoffentlich keine Menschenleben forderte.

Die Szene ist eingebrannt, bis heute. Seit dem suchte ich Antwort, viele Jahre vergeblich. Sicher sind eine Kathedralenbombardierung und Konzentrationslager nicht vergleichbar, aber es war Max Mannheimer, der mir die Lösung gab. Ich bin Bewunderer seiner Souveränität geworden. Als Überlebender von Auschwitz hielt er bei der Verleihung des Bayrischen Löwen die Laudatio zum Film „Der letzte Zug“ und sagte sinngemäß, sich an die Jugend wendend:

„Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschehen ist, aber dafür, dass es sich nicht wiederholt!“

 

Dr. Dai Hesheng
oder: Habe ich einen Bruder aus einem anderen Leben getroffen?

Kurz nachdem ich für die “Corporate Standardization and Regulation” meiner Firma DSCN1051 webkleinverantwortlich war, kam eine größere Delegation des chinesischen Staatsamtes für Normung  zu Besuch. Es war in der Nach-Mao-Zeit und man durfte schon wieder etwas ins Ausland. Man wollte sich in Europa schlau machen.
Dr. Dai Hesheng leitete die Delegation. Man hörte sich an, wie wir arbeiten, und zeigte großes Interesse. In dem Frage- und Antwortspiel entwickelte sich ein tiefes, gar warmherziges menschliches Verhältnis zwischen uns beiden. Noch nie hatte ich das Gefühl erlebt, wie wenn ich mich mit einem anderen Menschen (in einem anderen Leben?) schon einmal hervorragend verstanden hätte.

Wie sich später in Peking herausstellte, leitete er zu der Zeit das Chinesische Normungsinstitut, zog sich dann aber aus Altersgründen zurück. Nach einigen weiteren Jahren, zu Besuch bei seinen Nachfolgern, fragte ich nach ihm. Ja, es ginge ihm gut, nur sei seine Frau sehr krank. Ob ich denn irgendeine Chance hätte, ihn noch einmal wieder zu treffen? Man werde sehen.DSCN0853

Beim nächsten Treffen wagte ich nicht zu fragen; das erschien mir unhöflich dränglerisch. Wir gingen wie normal zum Mittagessen kurz ausser Haus, gerade um die Ecke. Da kam mir Dr. Dai Hesheng entgegen und wir fielen uns in die Arme. Beim Abschied wussten wir beide, dass wir uns auf dieser Welt nie wieder sehen würden.
Er schenkte mir den Wandbehang mit dem Motiv der Chinesischen Mauer; der hat seinen Ehrenplatz in meinem Arbeitszimmer.

 

 

 

 

Alte, alte Alte, junge Alte
Nicht, dass es um die Überalterung der deutschen Bevölkerung ginge, beileibe nicht. Es geht um den nachhaltigen Eindruck eines gerade Pensionierten, der vormittags zum Einkaufen durch die Ortsmitte schlendert. Und was sieht er da? 90% Alte, 10% Muttis mit Kinderwägen.

Denkt er: Wo sind die ganzen anderen Menschen, die ich täglich sah, die mich bisher umgaben? Gehöre ich jetzt auch zu den „Alten“? Er grübelt; wie viele andere Menschen mögen ähnliche Gefühle plagen? Keine Ahnung, Tendenz aber steigend, oder?Disable

Daheim beim Mittagessen kurz angesprochen, klärt ihn seine jüngste Tochter auf, ihres Zeichens agile Studentin, die da zu ihren Eltern sagt: „Wisst ihr, es gibt alte Alte und junge Alte; ihr gehört jetzt zu den jungen Alten!“

Ein klarer Realitätsspiegel. Ihm fällt das spanische Sprichwort ein:
Es la ley de vida oder Das ist das Gesetz des Lebens. Unabänderbar!

Dann volle Akzeptanz, denn es ist ja wahr. Und was bleibt? Die geschenkte Zeit des „langersehnten und wohlverdienten Ruhestandes“ positiv zu nutzen und jeden Tag bewusst zu genießen….

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