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„Entdeckung“ ist ein schönes Wort. Da steckt „Decke“ drin und die Vorsilbe „ent-“ besagt, dass man die Decke weg nimmt; na ja, und normalerweise sieht man dann etwas Neues.
Als ich im Sommer 2006 (in meinem 63. Lebensjahr) die Auffahrt zum Haus mit der Hochdruckspritze gereinigt hatte, zeigte sich wieder ein Zittern in der rechten Hand, etwas mehr als sonst. An der Hecke stehend sagte ich unserem Sohn: „Schau‘ mal,….ich wollte doch nicht jetzt schon Parkinson haben!“
Bis Anfang November wurde das Zittern stetig heftiger, sodass ich mich auf den Weg machte, die Sache medizinisch einzugrenzen. Über das Internet verschaffte ich mir ein gewisses Basiswissen, um zu sehen, was mich ggf. erwartet. Beim Antrittsbesuch verblüffte mich mein Neurologe. Er ließ mich ein wenig auf und ab gehen und machte mir dann vor, wie ich schreite, mir meinen hängenden statt schwingenden rechten Arm demonstrierend. „Das ist typisch für Parkinson; aber die Fälle, die mit einer zitternden Hand beginnen, nehmen in aller Regel einen günstigeren Verlauf.“
Es wurden noch weitere Untersuchungen fällig, u.a. eine Magnetresonanz des Schädels und die Messung des Dopaminniveaus: ich hatte 152, lag also weit unter der Bandbreite von 190 bis 450. Die Untersuchungen erbrachten, dass mein Körper kerngesund ist, bis auf Parkinson.
Na ja, dachte ich, es kommt halt einfach so über einen, Ursache unbekannt, und man kann nichts dafür. Die neue Situation zu verschweigen oder unterdrücken zu wollen, kam mir nicht in den Sinn, weil das sowieso nicht durchzuhalten wäre. Also schrieb ich es allen nationalen und internationalen Geschäftspartnern und erntete nur tiefes menschliches Verständnis. Das tat gut. Gesprächspartnern, die es noch nicht wissen konnten, sagte ich zu Beginn „Wenn Sie meine rechte Hand zittern sehen, das ist Parkinson!“ und wir konnten zur Tagesordnung übergehen.
Und wenn es schon so einfach über mich kommt, ging es mir darum, dem schon fortgeschrittenen Dopaminmangel aktiv zu begegnen. Der Morbus Parkinson wird normalerweise erst erkennbar, wenn bereits 70 bis 80% des Dopamins nicht mehr vorhanden sind, dieser große Puffer sozusagen schon verbraucht ist. Wenn man den vorprogrammierten Verfall der Produktion dieses Neurotransmitters schon nicht aufhalten kann, dann kann man ihn zumindest versuchen zu verlangsamen, dachte ich. Also entwickelte ich eine Strategie.
Wäre eine frühere Entdeckung möglich gewesen? Ich denke JA.
- Seit meinem 35sten Lebensjahr rieche ich nicht mehr, was ich auch den Ärzten routinemäßig mitteilte. Dieser Frühindikator ist wohl außerhalb der Parkinson-Spezialisten noch zu wenig bekannt.
- Mein Hautarzt war betroffen, als ich ihn informierte und er meinte dann, dass Studien belegen, dass bei Menschen mit seborrhoischem Ekzem der Morbus Parkinson häufiger auftritt.
- Vielen Menschen ist mein recht leises Sprechen lästig. Parkinson vermindert bekannterweise die Sprechfähigkeit.
Hätte ich es früher wissen wollen? Vielleicht nicht. Aber doch, wenn es eine Möglichkeit gäbe, dem Dopaminverfall medikamentös schon entgegenzuwirken, wenn o.g. Puffer von 70 bis 80% noch nicht verbraucht wäre. Diese Möglichkeit scheint es heute aber noch nicht zu geben.
Insgesamt kostete es mich etwa 6 Wochen, das alles aktiv zu akzeptieren; da gehen einem schon viele Dinge durch den Kopf!
Ein logischer „Nebeneffekt“ dieses Nachdenkens war die zügige Abfassung einer Patientenverfügung. Basis war der Textvorschlag des Bayrischen Innenministeriums, die dann in angepasster Form unterschrieben wurde. Die Empfehlung, die Patientenverfügung um ein Dokument „Wertvorstellungen“ zu ergänzen, in dem die persönlichen Grundeinstellungen niedergelegt sind, fand ich besonders hilfreich, weil damit evtl. gesehene Auslegungsspielräume sehr viel kleiner werden.
Da die Ursachen noch weitgehend unbekannt sind, frage ich mich, ob mein bisheriger Lebenswandel und insbesondere der volle berufliche Einsatz ursächlich sein können. Kennzeichnende Sprüche sind: Meine Frau: Du zündest Deine Kerze an beiden Enden an... Mein Arzt: Sie haben immer unter Volldampf gearbeitet, dann ist das Nervensystem irgendwann einfach erschöpft.... Selbst: Ich bin ja bereit, meine Nerven zu strapazieren, aber bitte nicht im Straßenverkehr ..... Freunde: jetzt sollte ich nur noch das machen, was mir wirklich Spaß macht... Ich denke, das Wäre mal eine interessante Studie, in einer Doktorarbeit zu erforschen, inwieweit dauerhafter Stress eine Parkinson-Ursache sein kann.
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