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Deutsche Sprache

Deutsch ist eine sehr schöne Sprache, exakt in Wortkonstruktion und Grammatik. Der Wortschatz ist reich und man kann sich präzise ausdrücken. Die zusammengesetzten Hauptwörter sind ein besonders elegantes Konstrukt, um das uns andere Länder vielleicht sogar beneiden. In den folgenden Beiträgen werden einzelne Elemente in alphabetischer Folge zur Diskussion gestellt.

Auch Ihre Gedanken und Beiträge sind willkommen und können das Vorhandene (das weiter ausgebaut wird) ergänzen.
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einstellen
Jemand fragte mich kürzlich, ob mein Parkinson denn gut eingestellt sei, was mich zu der Antwort bewog, dass man mich doch nicht einstellen kann, auch nicht per Medizin, dass man vielleicht eine neue Arbeitskraft einstellen (beschäftigen) kann, oder dass man ein Maschine einstellen (justieren) kann, nicht aber einen menschlichen Körper. Er meinte, das sei halt der normale Sprachgebrauch unter Ärzten.
Nun ja, denke ich, der Sprachgebrauch sollte sich dann bitte ändern, z.B. in die Fragestellung, ob denn die aktuelle Medikation gut wirke.

In dem beispielhaften einstellen steckt sinngemäß das justieren drin, was dann implizit bedeutet, dass mit der Verordnung einer Medikation erstmal alles getan sei.
Nur: der chemische Apparat des Körpers ändert sich laufend und die Einstellung von gestern kann heute schon unwirksam sein, ganz im Gegensatz zu einer Maschine: die läuft und läuft, gemäß Einstellung..

Industrie
oder: Wie ein Begriff missbraucht wird....

Zitat ARD-Website 14.5.08: “Bundespräsident Köhler hat in einem Interview die internationale Finanzindustrie scharf angegriffen....”
Hat er das wirklich wörtlich so gesagt oder ist es die Wiedergabe eines Journalisten?

An anderen Stellen wird von Tourismusindustrie, Prüf- und Zertifizierungsindustrie, Reinigungsindustrie, Softwareindustrie  u.s.w. gesprochen. Der Begriff “Industrie” kommt aus dem Lateinischen und “industria” und bedeutet Fleiss. Deswegen muss aber nicht alles, wo fleissig gearbeitet wird, das Anhängsel “...industrie” bekommen, oder sind andere Branchen neidisch auf die Produktivität und die vielen Arbeitsplätze der Industrie? Die “Industrie” ist gekennzeichnet durch Fabriken, in denen anfassbare Produkte hergestellt werden, wie z.B. Autos.
Sollten die wohlbekannten “ Dienstleistungen” die letzten Jahre eine solch mindere Wertschätzung erfahren haben, dass sie sich mit “...industrie” schmücken wollen, oder ist es einfach ein lässiger  Sprachgebrauch?
Korrekt wäre, von einem Finanzwesen, einer Tourismusbranche, einer Prüf- und Zertifizierungs-Dienstleistung, einem Reinigungsgewerbe und einer Softwarebranche zu sprechen.

Es wäre bedauerlich, wenn die Differenzierungsmöglichkeiten der deutschen Sprache ausser Gebrauch kämen, nur weil das pauschalierende ...industrie weniger Denkleistung erfordert.

 

Pensionist
Mit Eintritt in den „Ruhestand“ (welch seltsames Wort: wer steht denn die ganze Zeit in Ruhe, oder befindet sich im Stande der Ruhe, wobei Ruhe doch außer vielleicht Atmen jegliche Aktivität negiert) stellte sich die Frage, wie ich mich bezeichnen wollte.

Rentner ist in der Volksauffassung ja nicht nur positiv belegt, wohl aber lässt sich nicht negieren, dass ein Rentner der Bezieher einer Rente ist. Renten werden bekanntlich vom Bund bezahlt. Sollte ich mich gar als später Bezieher staatlich gezahlter Einkünfte fühlen, gewissermaßen als später Mini-Beamter? Keine tolle Lösung, oder?

Mein Freund Herwig warf ein, dass der Bund ja nicht nur Renten zahlt sondern auch Versorgungsbezüge, nach vorausgehendem Versorgungsbescheid. Auf ihn träfe also Rentner nicht zu, sondern Versorgungsempfänger: auch eine nette Variante!

Zusätzlich kam der Pensionär auf, der bezieht eine Pension, evtl. sogar zusätzlich zur Rente. Doch beiden, Rentnern und Pensionären, haftet ein wenig an, dass sie eher mit Nichtstun beschäftigt sind. Ich suchte also weiter, in Anbetracht der Aktivitäten und Pläne ….

Beim Nachmittagskaffee erzählte ich kurz die Gedanken und brachte als weitere Möglichkeit den Pensionisten ein. Anne schmunzelte: das klänge zumindest ein wenig nach Aktivist. Das gefiel mir, ich bin also nun Pensionist.

p.s.:
Was sagt der Duden zu Pensionist: „.....(österr., schweizerr. für Ruheständler)“. Voilá.

 

Rülpsen
ist ja ein Verb, aber Laila, 5 Jahre, fragte ihre Schwester: “Hast Du Rülpsen?”. Damit hat sie nichts grundsätzlich falsch gemacht, denn man fragt ja auch “Hast Du Husten?”
Freilich: jedes Verb kann substantiviert werden, nur ist es manchmal ungewohnt. Schön, wenn Kinder so erfinderisch sind.

 

Schlaglicht, ein schönes Wort
Die allgemein übliche Redewendung ist in etwa: ...das wirft aber ein besonderes Schlaglicht auf den/die/das.... Frage: kann man Licht werfen?
Schlag ist etwas Plötzliches, Licht ist etwas schnelles und helles; die Rückwärtsauflösung des zusammengesetzten Wortes erbringt “Licht des Schlages”, führt also nicht weiter. Der Gebrauch des Wortteils Schlag deutet an, dass es andere Unterkategorien des Lichtes gibt, z.B. Nachtlicht, Tageslicht u.s.w.
Nehmen wir die Interpretationen zusammen, ist Schlaglicht demnach ein helles Licht, das einen schnell wie ein Schlag trifft. Muss es dazu aber geworfen werden? Sicher nicht, denn werfen kann man nur anfassbare Dinge , aber es trifft einen so schnell, als wäre es geworfen worden.
Schläge tun normalerweise ja auch weh: also tun ein Schlaglicht auch weh, oder?

 

verorten, ein schreckliches Wort
Kürzlich (Januar 2008) fragte der Moderator von „Wer wird Millionär“ nach dem Heimatort der Kandidatin. Sie nannte den Ort, und die umgebende Ortschaften, was aber nicht viel weiter half. Der Moderator sagte: „Dann wollen wir das mal schnell verorten!“. Damit war sicher gemeint, die Lage des Ortes festzustellen; oder gar mehr? Diese fürchterliche Wortschöpfung möge nie wieder über irgendwelche Lippen kommen, wäre mein Vorschlag.

 

 

 

 

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