Biokraftstoffe und Ethik

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Der VDB ist der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V.
http://www.biokraftstoffverband.de/vdb/

Schreiben und Nachtrag
Antwort1 des VDB
Antwort2 an VDB; Frage, welche Position der VDB zur ethischen Verantwortbarkeit von Biokraftstoffen hat, bleibt unbeantwortet.
Schreiben2 an VDB; Wiederholung der Frage, keine Antwort.

 

Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V
Herrn Johannes Lackmann, Geschäftsführer
Am Weidendamm 1 A
10117 Berlin
Per E-Mail info@biokraftstoffverband.de                
2008-07-12

Biokraftstoffe und Ethik, Position des VBD

Sehr geehrter Herr Lackmann,

die öffentliche Diskussion zu Biokraftstoffen wird zum Teil recht kontrovers geführt. Ihre jüngsten Pressemitteilungen (http://www.biokraftstoffverband.de/vdb/) zur Studie der Weltbank und zum Einsatz von Elektroantrieben habe ich mit großem Interesse gelesen.

Die ethisch-sozialen Aspekte von Biokraftstoffen sind aber bislang nicht angemessen einbezogen wurden. Grundgedanken dazu sind in anliegendem Artikel ausgeführt, der schlussfolgert, dass

  • Biokraftstoffe grundsätzlich ethisch-sozial nicht zu verantworten sind
  • für den künftigen Individualverkehr völlig neue Antriebsaggregate benötigt werden, die keine Derivate von Rohöl mehr benötigen, und dass
  • die Politik zum Handeln aufgefordert ist.

Zu Biokraftstoffe und Ethik werden auf der Website http://www.kaguigu.com/Biokraftstoffe%20und%20Ethik/)  die Stellungnahmen des Deutschen Ethikrates und des Nachhaltigkeitsrates sowie die Positionen der politischen Parteien und der einschlägigen Verbände wiedergegeben. Insofern wäre es sehr wertvoll, wenn auch der VDB seine Position zu den ethischen  Aspekten von Biokraftstoffen zur Verfügung stellen würde.

Ihrer Antwort entgegen sehend verbliebe ich
mit freundlichen Grüßen,
Guido Gürtler

 

Anlage: Artikel (Mai 2008)
p.s.1: Im Sinne angemessener Transparenz ist vorgesehen, dieses Schreiben und Ihre Antwort auf der o.g. Website mit zu veröffentlichen, wozu ich von Ihrem Einverständnis ausgehe.
p.s.2:  Zur Person:
- Familienvater, vier Kinder, elf Enkel, besorgt um die Welt, in der diese leben werden
- Beruflich: Leiter der Siemens
-Unternehmensleitfunktion „Standardisierung und Regulierung“ mit globalem Handlungsrahmen (bis zur Pensionierung)
- Seit 2003 Mitarbeiter des ICC International Chamber of Commerce im internationalen Projekt
 ISO 26000 zu „Guidance on Social Responsibility“.

Adresse: Farmerstr. 17, 82194 Gröbenzell, Tel. 0173 350 27 22

Nachtrag:
Von:
Guido Gürtler [guido.guertler@t-online.de]
Gesendet: Sonntag, 13. Juli 2008 16:49
An: 'info@biokraftstoffverband.de'

Betreff: AW: Biokraftstoffe und Ethik, Position des VBD; Nachtrag

Sehr geehrter Herr Lackmann,
in der Pressenotiz Ihres Verbandes wird ausgeführt, Zitat: „Schließlich ersetzten Biokraftstoffe schon jetzt etwa sieben Prozent des fossilen Kraftstoffes in Deutschland und sparten zehn Millionen Tonnen CO2-Emissionen jährlich ein.“
Von großem Interesse wäre sicher auch, wie viele Tonnen CO2-Emissionen gegenzurechnen sind, weil sie im Rahmen der Erzeugung und des Vertriebs der Biokraftstoffe entstehen. Diese Zahl sollte alle Stufen einschließen, insbesondere Flächenaufbereitung (zumindest Pflügen und Eggen), Aussaat, Düngung, Ernte, Transport, Verarbeitung und Transport an die Tankstellen. Hat der VDB diese Zahl parat?
Ferner wäre gut zu wissen, ob Sie eine umfassende Ökobilanz (gemäß Serie ISO 14000) für Biokraftstoffe kennen und einen Hinweis geben könnten.
Mit freundlichem Gruß,
Guido Gürtler

 

Antwort1:
Von: Elmar Baumann [Baumann@biokraftstoffverband.de]  Gesendet: Mittwoch, 16. Juli 2008 21:19
An: Guido.Guertler@t-online.de  Betreff: Ihre Anfrage vom 14.07.08

Anlagen: IFEU RME 2001.pdf; BioKS_Langfassung110208.pdf

Sehr geehrter Herr Gürtler,
die Angaben des VDB zu eingesparten CO2-Emissionen sind grundsätzlich saldiert, d.h. CO2-Emissionen aus dem Anbau der Rohstoffe, Transport und Konversion sind bereits eingerechnet. Dieses Vorgehen ist in der Ökobilanzierung allgemein üblich.
Als Beispiel für Ökobilanzen füge ich zwei bekannte Studien bei (IFEU, IE Leipzig). Bei der Ökobilanzierung (auch LCA: Life cycle analysis) ist eine Vielzahl von Voraussetzungen und Annahmen zu beachten, die dem Außenstehenden nicht unbedingt einleuchten. Die Studien unterscheiden sich daher erheblich in Ihren Ergebnissen. Wesentliche Frage ist die Anrechnung der bei der Biokraftstoffproduktion anfallenden Nebenprodukte (Beispiel Biodiesel: Glycerin, Rapspressschrot). Außerdem gibt es Auftragsbilanzierungen von Verbänden, NGOs, Unternehmen sowie Berechnungen auf staatlicher Ebene (EU, Deutschland). Die von Ihnen korrekt zitierte ISO-Norm gibt nur den groben Rahmen vor, hilft aber praktisch nicht weiter.
Bei Fragen können Sie mich gerne telefonisch kontaktieren (bis 18.07. und wieder ab 03.08.08).

Mit freundlichen Grüßen
Elmar Baumann
**********************************************************
Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e. V.  Dipl.-Ing. Elmar Baumann  Am Weidendamm 1 A
10117 Berlin   Tel.: +49(0)30 - 726259.60  Fax: +49(0)30 - 726259.19  baumann@biokraftstoffverband.de

Antwort2 an VDB:
Von:
Guido Gürtler [guido.guertler@t-online.de]  Gesendet: Dienstag, 29. Juli 2008 08:35 
An: 'Elmar Baumann'
Betreff: AW: Ihre Anfrage vom 14.07.08; Biokraftstoffe und Ethik, Position des VDB 
Anlagen: sent Biokraftstoffe und Ethik, Position des VBD.mht

Sehr geehrter Herr Baumann, 
vielen Dank für Ihre hilfreiche Antwort auf meinen E-Mail-Nachtrag und die angefügten Studien. Das hilft weiter bei der Analyse der derzeitigen Situation. 
Darf ich aber nochmal auf meine Mail vom 12.7. zurückkommen, in der ich um die Position des VDB zur ethisch-sozialen Verantwortbarkeit von Biokraftstoffen bat?
Mit besten Grüßen,
Guido Gürtler

Anlage: sent Biokraftstoffe und Ethik, Position des VBD

Schreiben2 an VDB:
Von:
Guido Gürtler [guido.guertler@t-online.de]  Gesendet: Sonntag, 21. September 2008 10:00
An: 'info@biokraftstoffverband.de'

Betreff: Biokraftstoffe und ihre ethische Verantwortbarkeit, Aussage des VDB

Sehr geehrter Herr Lackmann,

erlauben Sie mir, nochmal Bezug zu nehmen auf mein Schreiben vom 12. Juli 2008, dessen Beantwortung im Kern noch aussteht (Herr Baumann hatte wertvolle Zwischeninformationen gegeben).

Das Hintergrundpapier Biokraftstoffe Ihres Verbandes (August 2008) enthält viele interessante Zahlen und ist sicher ein guter Beitrag zur weiteren öffentlichen Diskussion. Es ist verständlich, dass Ihr Verband so argumentiert. Es enthält jedoch auch die Sätze:

„Die ethische Begründung, Agrarprodukte nicht für energetische Zwecke zu verwenden, entspricht in keiner Weise der historischen Entwicklung. Die Landwirtschaft liefert den Menschen schon immer Nahrungsmittel, Rohstoffe und Energie. Der Anteil der energetischen Nutzung von Agrarprodukten ist dabei in den letzten Jahrzehnten nicht einmal gestiegen. Gegenwärtig beanspruchen Biokraftstoffe weltweit nur ca. zwei Prozent der Agrarflächen.“

Diese Aussage ist vergangenheitsorientiert, während die laufende öffentliche Diskussion zukunftsorientiert ist. Auch Politik und Verbände, auch der VDB, sind gefordert (und werden daran gemessen werden), die Zukunft ethisch akzeptierbar und sozialverantwortlich zu gestalten.

Unter anderem geht das Hintergrundpapier nicht darauf ein, welcher Flächenbedarf zur Nahrungsmittelproduktion für eine rasch wachsende Weltbevölkerung benötigt wird und welche Grenzen deshalb für die Biokraftstoffe der 1. Generation naturgemäß vorgegeben sind, mengenmäßig wie zeitlich.
Ferner ist nicht klar, welches Maß an „Import von Biomasse“ der VBD für verantwortbar hält und wie die Ökobilanz für derartige Importe ausfällt und wie der VDB die sozialen Konsequenzen für die Erzeugerländer bewertet.

Deshalb wäre ich Ihnen sehr dankbar, wenn der VDB zunächst diese beiden Fragen beantworten könnte.

Mit freundlichen Grüßen,
Guido Gürtler  http://www.kaguigu.com/Biokraftstoffe%20und%20Ethik/

 

Antwort des VDB steht aus

 

 

 

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