Biokraftstoffe und Ethik

3in1
BuiltWithNOF

Schreiben an den Vorsitzenden
Hinweis auf Stellungnahme der EKD
Antwort

 

Von: Guido Gürtler [guido.guertler@t-online.de]  Gesendet: Sonntag, 14. September 2008 11:35
An: 'sekretariat@zentralrat.de'

Betreff: Biokraftstoffe und Ethik; Position des Koordinierungsrats der Muslime
Anlagen: Artikel (Mai 2008).doc

Sind Biokraftstoffe ethisch-sozial verantwortbar?
Bitte um Position des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland

Herrn Vorsitzenden
Dr. Ayyub Axel Köhler
Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)
Postfach 260230
50515 Köln

E-Mail: sekretariat@zentralrat.de

Sehr geehrte Herr Vorsitzender,
Sehr geehrter Herr Dr. Köhler,

Erlauben Sie mir bitte, eine tiefe Sorge an Sie heranzutragen und um die Position des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland zu bitten.

Mit der Herstellung von Biokraftstoffen ist eine Entwicklung angelaufen, die sich – zu Ende gedacht – gegen die Menschheit richtet, auch wenn sie – kurzfristig gesehen –im Ansatz gut gemeint sei. Grundgedanken dazu sind in meinem Artikel dokumentiert, siehe Anlage, der schlussfolgert, dass

  • · Biokraftstoffe der 1. wie der 2. Generation grundsätzlich ethisch–sozial nicht zu verantworten sind
  • · für den künftigen Individualverkehr völlig neue Antriebsaggregate benötigt werden, die keine Derivate von Rohöl mehr benötigen, und dass
  • · die Politik zum Handeln aufgefordert ist.

Der Artikel und alle weiteren genannten Informationen befinden sich auf der Diskussions-Website
http://www.kaguigu.com/Biokraftstoffe%20und%20Ethik/.

Ethisch“ verstehe ich als Respektierung von Menschenwürde und Schöpfung, „sozial“ als Minimierung gesellschaftlicher Unterschiede, Vermeidung gesellschaftlicher Konflikte, Hilfsbereitschaft und Sicherstellung der Verfügbarkeit essentieller Lebensgrundlagen wie Nahrung und Luft.

Biokraftstoffe der 1. Generation werden primär aus Mais, Weizen und Raps hergestellt und treten in Flächenkonkurrenz zu Nahrungsmitteln. Sie haben Potential zur Förderung von Hunger und Sozialkonflikten und sind deshalb schon so in die öffentliche Kritik geraten, dass sich sogar die Vereinten Nationen dagegen aussprachen und die EU-Kommission jetzt ihre Beimischungsziele zurückgenommen hat.

Biokraftstoffe der sog. 2. Generation werden primär aus Holz und Stroh hergestellt; sie sind zurzeit noch nicht marktreif. In Veröffentlichungen wird oft von „Abfällen“ oder Rückständen“ als Ausgangsmaterialien gesprochen, was ignoriert, dass Natur keine Abfälle oder Rückstände kennt, sondern nur Zyklen zur Re-Integration aller Stoffe. Diese Biokraftstoffe der 2. Generation sind ethisch-sozial problematisch, weil ihre Erzeugung zur absehbaren Intensivnutzung und damit nachhaltigen Schädigung der Böden führt (Monokulturen „rasch“ wachsender Bäume), weil sie in Anbetracht der wachsenden Weltbevölkerung letztlich auch in Flächennutzungskonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion treten werden, und weil der Wald ein verlässlicher Klimaregulator ist, den anzugreifen zugleich ein Angriff auf die Lebensgrundlage „Luft zum Atmen“ ist.

Menschen, mit denen ich das Thema bespreche, teilen die Sorge und drücken gern ihre Unterstützung durch Nennung ihres Namens auf der „Unterschriften“-Seite der Website aus. Die meisten sind dankbar für den Anstoß und sagen, dass sie über das Thema bislang noch nicht intensiv nachgedacht hatten.

Da u.a. die Politik gefordert ist, die einschlägigen Rahmenbedingungen vor allem unter langfristiger Perspektive richtig zu setzen, habe ich die Parteien sowie den Ethikrat und den Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung um Darstellung ihrer Positionen gebeten. Diese sind ebenfalls auf o.g. Website wiedergegeben. Auf die einstweilen abschließende Antwort des Nachhaltigkeitsrates möchte ich besonders hinweisen: http://www.kaguigu.com/Biokraftstoffe%20und%20Ethik/html/nachhaltigkeitsrat.html#naha-aw3

Die Position des Koordinierungsrats der Muslime in Deutschland wäre in diesem Zusammenhang von großem Interesse; oder gäbe es auch eine global abgestimmte Position der Muslime?

Für Ihre Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar und verbleibe mit den besten Grüßen,

Guido Gürtler

Anlage Artikel (Mai 2008)

P.s.1: Zur Person:
- Familienvater, vier Kinder, elf Enkel, besorgt um die Welt, in der diese und Folgegenerationen leben werden
- Beruflich: bis 2004 Leiter der Siemens-Unternehmensleitfunktion „Standardisierung und Regulierung“, mit globalem Handlungsrahmen
- Seit 2003 Mitarbeiter des ICC International Chamber of Commerce im internationalen Standardisierungsprojekt ISO 26000 „Guidance on Social Responsibility“

P.s.2: Da die Problematik „uns alle“ angeht, gehe ich von Ihrem Einverständnis aus, dass dieses Schreiben und Ihre Antwort auf o.g. Website mit veröffentlicht werden können.

Adresse: Farmerstr. 17, 82194 Gröbenzell, Tel. 0173 350 27 22, guido.guertler@t-online.de

 

Hinweis auf Stellungnahme der EKD
Von: Guido Gürtler [guido.guertler@t-online.de]  Gesendet: Montag, 13. Oktober 2008 10:39 
An: 'sekretariat@zentralrat.de'

Betreff: Biokraftstoffe und Ethik, Position des Zentralrates der Muslime in Deutschland

Herrn Vorsitzenden
Dr. Ayyub Axel Köhler
Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)
E-Mail: sekretariat@zentralrat.de

Sehr geehrte Herr Vorsitzender,

Im Nachgang zu meiner Mail vom 14. September 2008 , in der ich um die Position des Zentralrates der Muslime in Deutschland bat, wollte ich gern aufmerksam gemacht haben auf die m.E. sehr gute Stellungnahme der EKD Evangelischen Kirche Deutschlands mit dem Titel „Ernährungssicherung vor Energieversorgung – Kriterien für die nachhaltige Nutzung von Biomasse“.
Die EKD geht hier auf die ethische Problematik von Biomasse im Allgemeinen ein und im Besonderen auf die der Bio- oder Agrokraftstoffe.
Die Pressenotiz der EKD ist unter http://www.ekd.de/presse/pm247_2008_ernaehrungssicherung.html abgebildet; dort kann auch die Stellungnahme heruntergeladen werden.

Mit freundlichem Gruß,
Guido Gürtler
www.kaguigu.com/Biokraftstoffe%20und%20Ethik/

 

Antwort

 

 

[Biokraftstoffe und Ethik] [Neueste Updates und Zahlen] [Artikel] [Vortragsfolien] [Pressenotizen] [Forum] [Unterschriften] [Gute Beispiele] [Schlechte Beispiele] [Ethik Rat] [Nachhaltigkeitsrat] [Parteien] [Kirchen] [Vatikan] [Katholische Kirche] [Evangelische Kirche] [Zentralrat der Juden in Deutschland] [Koordinierungsrat der Muslime] [Verbände] [NGO Nicht-Regierungs-Organisationen]