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Schreiben an den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands Antwort1 von EKD; Zwischeninformation Antwort2 an EKD Stellungnahme der EKD: Sehr gut, lesens- und beherzigenswert. Ernährungssicherung vor Energieerzeugung – Kriterien für die nachhaltige Nutzung von Biomasse. Dank an EKD, Frage nach spanischer und englischer Sprachfassung Antwort3vonEKD
Von: Guido Gürtler [guido.guertler@t-online.de] Gesendet: Sonntag, 14. September 2008 09:59 An: 'rv@ekd.de' Cc: 'pressestelle@ekd.de'
Betreff: Biokraftstoffe und Ethik, Position der Evangelischen Kirche
Anlagen: Artikel (Mai 2008).doc
Sind Biokraftstoffe ethisch-sozial verantwortbar? Bitte um Stellungnahme der Evangelischen Kirche
Sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender, Sehr geehrter Herr Bischof Dr. Krause,
Erlauben Sie mir bitte, eine tiefe Sorge an Sie heranzutragen und um die Position der Evangelischen Kirche zu bitten.
Mit der Herstellung von Biokraftstoffen ist eine Entwicklung angelaufen, die sich – zu Ende gedacht – gegen die Menschheit richtet, auch wenn sie – kurzfristig gesehen –im Ansatz gut gemeint sei. Grundgedanken dazu sind in meinem Artikel dokumentiert, siehe Anlage, der schlussfolgert, dass
- Biokraftstoffe der 1. wie der 2. Generation grundsätzlich ethisch–sozial nicht zu verantworten sind
- für den künftigen Individualverkehr völlig neue Antriebsaggregate benötigt werden, die keine Derivate von Rohöl mehr benötigen, und dass
- die Politik zum Handeln aufgefordert ist.
Der Artikel und alle weiteren genannten Informationen befinden sich auf der Diskussions-Website http://www.kaguigu.com/Biokraftstoffe%20und%20Ethik/.
„Ethisch“ verstehe ich als Respektierung von Menschenwürde und Schöpfung, „sozial“ als Minimierung gesellschaftlicher Unterschiede, Vermeidung gesellschaftlicher Konflikte, Hilfsbereitschaft und Sicherstellung der Verfügbarkeit essentieller Lebensgrundlagen wie Nahrung und Luft.
Biokraftstoffe der 1. Generation werden primär aus Mais, Weizen und Raps hergestellt und treten in Flächenkonkurrenz zu Nahrungsmitteln. Sie haben Potential zur Förderung von Hunger und Sozialkonflikten und sind deshalb schon so in die öffentliche Kritik geraten, dass sich sogar die Vereinten Nationen dagegen aussprachen und die EU-Kommission jetzt ihre Beimischungsziele zurückgenommen hat.
Biokraftstoffe der sog. 2. Generation werden primär aus Holz und Stroh hergestellt; sie sind zurzeit noch nicht marktreif. In Veröffentlichungen wird oft von „Abfällen“ oder Rückständen“ als Ausgangsmaterialien gesprochen, was ignoriert, dass Natur keine Abfälle oder Rückstände kennt, sondern nur Zyklen zur Re-Integration aller Stoffe. Diese Biokraftstoffe der 2. Generation sind ethisch-sozial problematisch, weil ihre Erzeugung zur absehbaren Intensivnutzung und damit nachhaltigen Schädigung der Böden führt (Monokulturen „rasch“ wachsender Bäume), weil sie in Anbetracht der wachsenden Weltbevölkerung letztlich auch in Flächennutzungskonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion treten werden, und weil der Wald ein verlässlicher Klimaregulator ist, den anzugreifen zugleich ein Angriff auf die Lebensgrundlage „Luft zum Atmen“ ist.
Menschen, mit denen ich das Thema bespreche, teilen die Sorge und drücken gern ihre Unterstützung durch Nennung ihres Namens auf der „Unterschriften“-Seite der Website aus. Die meisten sind dankbar für den Anstoß und sagen, dass sie über das Thema bislang noch nicht intensiv nachgedacht hatten.
Da u.a. die Politik gefordert ist, die einschlägigen Rahmenbedingungen vor allem unter langfristiger Perspektive richtig zu setzen, habe ich die Parteien sowie den Ethikrat und den Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung um Darstellung ihrer Positionen gebeten. Diese sind ebenfalls auf o.g. Website wiedergegeben. Auf die einstweilen abschließende Antwort des Nachhaltigkeitsrates möchte ich besonders hinweisen: http://www.kaguigu.com/Biokraftstoffe%20und%20Ethik/html/nachhaltigkeitsrat.html#naha-aw3
Die Position der Evangelischen Kirche wäre von großem Interesse, zumal mit Biokraftstoffen die Bemühungen der Aktion „Brot für die Welt“ weitgehend konterkariert werden.
Für Ihre Antwort bin ich Ihnen sehr dankbar und verbleibe mit den besten Grüßen,
Guido Gürtler
Anlage: Artikel (Mai 2008)
P.s.1: Zur Person: - Familienvater, vier Kinder, elf Enkel, besorgt um die Welt, in der diese und Folgegenerationen leben werden - Beruflich: bis 2004 Leiter der Siemens-Unternehmensleitfunktion „Standardisierung und Regulierung“, mit globalem Handlungsrahmen - Seit 2003 Mitarbeiter des ICC International Chamber of Commerce im internationalen Standardisierungsprojekt ISO 26000 „Guidance on Social Responsibility“
P.s.2: Da die Problematik „alle“ angeht, gehe ich von Ihrem Einverständnis aus, dass dieses Schreiben und Ihre Antwort auf o.g. Website mit veröffentlicht werden können.
Adresse: Farmerstr. 17, 82194 Gröbenzell, Tel. 0173 350 27 22, guido.guertler@t-online.de
Antwort1 der EKD: Von: Knüppel, Renate [Renate.Knueppel@ekd.de] Gesendet: Freitag, 19. September 2008 09:05 An: guido.guertler@t-online.de
Betreff: AW: Biokraftstoffe und Ethik, Position der Evangelischen Kirche
Sehr geehrter Herr Gürtler,
vielen Dank für Ihre Mail, in der Sie nach der Position der EKD zu Biokraftstoffen fragen. Noch gibt es keine offizielle Position, aber innerhalb der nächsten zwei Wochen wird das Kirchenamt einen Text zu dieser Problematik veröffentlichen, der deutlich macht, dass man die Problematik sieht und den Einsatz von Agrotreibstoffen kritisch beurteilt. Bitte machen Sie sich dann kundig, wenn dieser Text unter dem Titel "Ernährungssicherung vor Energieerzeugung. Kritierien für die nachhaltige Nutzung von Biomasse" erscheint.
Mit freundlichem Gruß Renate Knüppel
OKRin Dr. Renate Knüppel; Kirchenamt der EKD; Herrenhäuser Str. 12; 30419 Hannover; Tel.: 0511 2796-414; Fax: 0511 2796 99 414; email: renate.knueppel@ekd.de; www.ekd.de
Antwort2 an EKD: Von: Guido Gürtler [guido.guertler@t-online.de]; Gesendet: Freitag, 19. September 2008 17:48; An: 'Knüppel, Renate'
Betreff: AW: Biokraftstoffe und Ethik, Position der Evangelischen Kirche
Sehr geehrte Frau Dr. Knüppel, recht herzlichen Dank für diese Zwischeninformation. Die offizielle Position wird ja sicher via Internet erhältlich sein. Mit freundlichem Gruß, Guido Gürtler
Stellungnahme der EKD: das Dokument trägt den Titel “Ernährungssicherung vor Energieerzeugung – Kriterien für die nachhaltige Nutzung von Biomasse Eine Stellungnahme der Kammer der EKD für nachhaltige Entwicklung”.
Eine Pressenotiz gibt es dazu vom 29. September 2008 unter http://www.ekd.de/presse/pm247_2008_ernaehrungssicherung.html
Das Dokument selbst (41 Seiten), auch als “EKD Texte 95” bezeichnet, ist zum Downloaden unter http://www.ekd.de/download/ekd_texte_95.pdf
Diese Stellungnahme ist eine sehr gutes, sachlich argumentatives Dokument, von ethischen Grundsätzen und Weitsicht geprägt. Der EKD sei herzlich gedankt für die Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt. Die Lektüre wird jedermann empfohlen, besonders den politisch Verantwortlichen und allen Herstellern von Biomasse und Biokraftstoff. Die sog. Agrotreibstoffe werden sehr kritisch gesehen. Eine Würdigung mit Kommentaren, Fragen und Vorschlägen zur Diskussion gibt es als Word-Dokument (10 Seiten) unter diesem Link.
Dank an EKD, Frage nach spanischer und englischer Sprachfassung: Von: Guido Gürtler [guido.guertler@t-online.de] Gesendet: Montag, 20. Oktober 2008 09:49 An: 'Knüppel, Renate'
Betreff: EKD Texte 95, Biokraftstoffe und Ethik; Anlagen: Würdigung 2008-10-19.doc
Sehr geehrte Frau Knüppel,
haben Sie vielen Dank nochmals für den Hinweis auf die Stellungnahme der EKD Ernährungssicherung vor Energieerzeugung – Kriterien für die nachhaltige Nutzung von Biomasse.
Die Stellungnahme habe ich studiert und möchte mich herzlich bedanken, dass die EKD dieses sehr gute, sachlich argumentative und von Ethik und Weitsicht geprägte Dokument zum jetzigen Zeitpunkt veröffentlicht hat. Es tut gut, zu sehen, dass ethische Grundsätze ein Leitfaden zum Handeln sein sollten.
Die Stellungnahme findet meine fast uneingeschränkte Unterstützung; nur setze ich aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen keinerlei Hoffnung auf die sog. Zertifizierung. Vielmehr sehe ich letztendlich nur ein Moratorium wie von Jean Ziegler vorgeschlagen als wirksame Maßnahme. Getragen von dem Wunsch nach weiterer Diskussion habe ich mir erlaubt, eine persönliche Würdigung der Stellungnahme mit Kommentaren, Fragen und Vorschlägen zu verfassen (siehe Anlage).
Darf ich fragen, ob es eine spanische und eine englische Sprachfassung des Textes gibt oder geben wird? Die Argumente sind ja weltweit gültig und ich würde sie gerne auch vielen Freunden und Gesprächspartnern in diesen Sprachräumen vermitteln.
Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie meinen aufrichtigen Dank auch an die Autoren der Stellungnahme weiter geben könnten.
Mit den besten Grüßen, Guido Gürtler
Antwort 3 von EKD: Von: Knüppel, Renate [Renate.Knueppel@ekd.de] Gesendet: Freitag, 24. Oktober 2008 09:22 An: Guido Gürtler Betreff: AW: EKD Texte 95, Biokraftstoffe und Ethik
Sehr geehrter Herr Gürtler, vielen Dank für Ihre Mail und die ausführliche Stellungnahme, die ich mit großem Interesse gelesen habe und auch an die Kammermitglieder, d.h. die Autoren der Schrift, weiterleiten werde. Im Blick auf Übersetzungen kann ich Ihnen noch nichts Endgültiges sagen; es ist geplant, den Text ins Englische zu übersetzen, aber das wird leider noch eine Weile dauern. Mit freundlichem Gruß Renate Knüppel
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